Mittwoch, 18. Dezember 2002

Hamburg: 15-Jähriger gestand Raubmord und Raub

  • Bandentrio erschlug Behinderten für ein paar Euro
  • Auch Jugendlichen niedergestochen, 67-jährige Frau beraubt

Ein erst 15-jähriger Bursch aus Hamburg hat gestanden, zusammen mit Freunden innerhalb von 24 Stunden drei brutale Verbrechen in der Hansestadt begangen zu haben. Zuerst erschlugen er und ein paar Kumpane einen Behinderten. Dann stachen sie einen Jugendlichen in der S-Bahn lebensgefährlich nieder. Schließlich entrissen sie einer älteren Dame eine Handtasche.

Wie die Hamburger Polizei am Mittwoch mitteilte, gab der gebürtige Türke mit deutschem Pass vor der Mordkommission unter anderem einen Raubmord an einem 24-jährigen Behinderten am 10. Dezember im Schanzenpark zu.

Die Mittäter des 15-jährigen: ein 14-jähriger Türke, ein 15-jähriger Iraker und ein 18-jähriger Tscheche. Dem Geständnis zufolge ging es den Jugendlichen in allen Fällen um Geld.

Keine Anklage - Bande bleibt auf freiem Fuß
Die Verdächtigen sind nach Angaben eines Polizeisprechers alle bereits wegen mehrerer Straftaten polizeibekannt, blieben jedoch auf freiem Fuß. Die Delikte seien bisher noch nicht angeklagt worden, erklärte der Sprecher. Der 14-Jährige Komplize gelte sogar als "Intensivtäter".

Viele wußten Bescheid, keiner verriet Täter
Die Verdächtigen sitzen nach Polizeiangaben jetzt in Untersuchungshaft, drei von ihnen schwiegen zunächst zu den Vorwürfen. Die Mordkommission schließt nicht aus, dass weitere Straftaten auf das Konto der Jugendbande gehen. Als "besonders schockierend" werteten die Ermittler, dass sich die Beschuldigten zwar offenbar bei Freunden mit ihren brutalen Taten brüsteten, aber kein Jugendlicher sie verriet.

Laut Polizei wollte der mutmaßliche Täter nach eigenen Angaben zunächst nachts in einem Park mit zwei der drei Freunden Geld von einem jungen Mann erbeuten. Dazu habe das Trio dem 24-jährigen Behinderten zum Schein Drogen angeboten. Später hätten sie ihr Opfer gemeinsam geschlagen und getreten. Der Behinderte starb noch am Tatort an seinen schweren Verletzungen.

Messerstiche in den Kopf
Am nächsten Tag beraubten die Jugendlichen mit einem vierten Komplizen zunächst auf einem Parkplatz eine 67-Jährige, der sie die Handtasche aus den Armen rissen. Kurz darauf gingen sie in der S-Bahn auf einen 17-Jährigen los, der allein im Waggon saß, und nahmen ihm Portemonnaie und Handy weg. Mit der EC-Karte sollen die Jugendlichen 100 Euro vom Konto des Opfers abgehoben haben, bevor sie ihn auf einem Sportplatz mit mehreren Messerstichen in den Kopf (!!) lebensgefährlich verletzten. Nach Angaben der Polizei hielten die Täter ihr Opfer für tot. Nach der Tat sollen die vier ihre Kleidung in einem Waschsalon gereinigt haben, bevor alle zum Essen in ein Fast Food-Lokal gingen.

Nach Angaben der Polizei ist das 17-jährige Opfer inzwischen außer Lebensgefahr. Die Ermittler waren über Fotos vom Geldautomaten in der Bank auf die mutmaßlichen Täter gestoßen.

18.12.2002 13:54