Stundenlang Todesangst: Geisel musste Bombe tragen!
- Kidnapper forderten Edelsteine als Lösegeld für Juwelier

Stundenlang Todesangst: Bereits Dienstag Abend wurde ein Juwelier in Mainz gekidnappt und in seinem Geschäft (Bild) als Geisel gehalten. Die Täter schnallten ihm eine Bombe an den Leib! Als Lösegeld forderten sie Edelsteine. Stunden später stellt sich heraus: die Höllenmaschine war nicht echt.
Mit einer am Körper eines Mainzer Juweliers angebrachten Bomben-Attrappe haben Unbekannte am Mittwoch Geld zu erpressen versucht. Die Polizei konnte das 67-jährige Opfer am Mittag von dem Sprengstoffgürtel, der ihn in Todesangst versetzte, befreien.
Der Gürtel stellte sich später als Attrappe heraus. Der Juwelier, der am frühen Morgen als vermisst gemeldet worden war, überstand die Stunden der Angst nach Polizeiangaben unverletzt.
Der spektakuläre Fall nahm am frühen Mittwochmorgen mitten in der Mainzer Innenstadt seinen Lauf: Die Polizei fand den Inhaber des alteingesessenen Geschäfts in seinem vor dem Juwelierladen abgestellten Mercedes. Von einem Geiselnehmer fehlte jede Spur.
Doch als der Mann auf einen um seinen Oberkörper gebundenen Sprengstoffgürtel deutete, bekam der Fall plötzlich ungeahnte Dramatik. "Bundesweit bisher einmalig", sagte der Leitende Mainzer Oberstaatsanwaltschaft Klaus Puderbach, als er am Mittwoch die erlösende Nachricht überbrachte, dass der Juwelier wohlauf und der vermeintliche Sprengstoff entfernt worden sei. Wer hinter dem Drama um den Juwelier steckte, war unterdessen noch völlig unklar.
Das Stimmung am Tatort passte nach Beginn des spektakulären Falls keinesfalls zu dem bedrohlichen Zustand des 67-Jährigen: Vor dem Geschäft stimmten mit Lichterketten geschmückte Tannen auf Weihnachten ein. Der davor liegende Neubrunnenplatz war menschenleer.
Kurz zuvor hatten Beamte den 67-jährigen Juwelier in seinem Auto vor dem Geschäft gefunden. Er erzählte den Polizisten, dass ihm ein Sprengstoffgürtel um den Oberkörper gebunden wurde, der sofort explodieren könne, wenn er unsachgemäß entfernt würde. Unbekannte wollten von dem Juwelier, dessen angesehenes Geschäft schon mehrfach überfallen wurde, Geld aus dem Tresor erpressen. Doch von dem oder den Tätern fehlte jede Spur. "Wir haben keinen Kontakt zu ihnen", sagte eine Sprecherin der Polizei, die angesichts der unklaren Lage vor Ort zunächst mehr Fragen als Antworten parat hatte.
Fest stand bis dahin lediglich, dass der Juwelier am frühen Morgen nicht zu Hause gewesen war, als ihn ein Mitarbeiter - wie verabredet - abholen wollte. Der Beschäftigte rief daraufhin die Polizei an, die vor dem Haus im Stadtteil Hechtsheim eine "verdächtige Spurenlage" feststellte. Die Brille des Opfers lag auf dem Boden.
Nur wenige Kilometer entfernt, ebenfalls in Hechtsheim, ging das ungewöhnliche Verbrechen rund fünf Stunden nach der Vermisstenmeldung zu Ende: Die Polizei hatte den Juwelier auf das Gelände der Bereitschaftspolizei gebracht und dort die Bomben-Attrappe entfernt. Kurz danach sagte der Leiter der Mainzer Kripo, Alois Ochs: "Die Lage ist unter Kontrolle. Wir haben das Opfer vom Sprengstoff befreit." Die Frage nach den Hintergründen blieb aber weiter unbeantwortet. Am Abend suchte die Polizei nach einem gelben Kleintransporter, der zuvor am Tatort gesehen wurde.
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