Montag, 16. Dezember 2002

38 Millionen Afrikaner vom Hunger bedroht

  • US-Botschafter für Bestrafung von Staatspräsidenten

Rund 38 Millionen Afrikaner sind nach neusten Angaben der Vereinten Nationen vom Hunger bedroht. Allein 15 Millionen Menschen ohne genügend Nahrung lebten in Sambia und Simbabwe und anderen Ländern im Süden des Kontinents. In Äthiopien und Eritrea seien zwischen 12 und 16 Millionen bedroht. Weitere Opfer gebe es in Zentral- und Westafrika.

Zugleich forderte das UNO-Welternährungs-Programm (WFP/Rom) die internationale Gemeinschaft zu weiteren raschen Hilfen auf. Die Bürger und die Regierungen müssten schnell handeln, "bevor es zu spät ist", forderte die Organisation am Montag in Rom. Das Ausmaß der Krise ist größer als während der großen Hungersnot 1984/85, als in Äthiopien eine Million Menschen verhungerten.

Ein US-Botschafter forderte die Bestrafung der Staatspräsidenten von Sambia und Simbabwe, weil sie die Lieferung von Nahrungsmittel an die hungernde Bevölkerung verhinderten. "Sie müssen vor internationalen Gerichten angeklagt werden", sagte der US-Botschafter bei der Welternährungs-Organisation (FAO), Tony Hall, am Montag in Rom.

Hall sagte, Zehntausende von Tonnen an Nahrungshilfen im südlichen Afrika könnten derzeit nicht zu den Bedürftigen gebracht werden. Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, verhindere, dass auch politische Gegner in den Genuss von Lebenslieferungen kämen. "Mugabe ist dafür verantwortlich", sagte Hall.

In Sambia weise die politische Führung gentechnisch behandelten Mais aus den USA zurück, obwohl die eigene Bevölkerung hungere und der Genmais auch in den USA gegessen werde. "Wir mussten sogar 17.000 Tonnen Mais aus Sambia zurückziehen."

"Jeder Politiker, der Nahrungsmittel für seine hungernde Bevölkerung verhindert, gehört vor Gericht", forderte Hall. "Das ist auch eine moralische Frage." Nach Angaben der UNO ist die derzeitige Hungerkrise schlimmer als diejenige von 1984/85, als eine Million Äthiopier verhungerten.

16.12.2002 17:38