Sonntag, 22. Dezember 2002

Caritas-Präsident erinnert an 'Weihnachtsquerschläger'

  • Küberl: "Sich der kälter werdenden Gesellschaft stellen"

Caritas-Präsident Franz Küberl plädiert dafür, gerade zur Weihnachtszeit nicht auf Menschen in Notsituationen zu vergessen: "Ich glaube mir wäre es wichtig, eine ganz bestimmte Form des Weichnachtsfriedens zu unterbrechen." Während sich in den meisten europäischen Häusern die Tische bögen, seien 800 Millionen Menschen weltweit vom Hunger betroffen. Wenn man höre, dass im südlichen Afrika 12 bis 14 Millionen Hungertote beklagt würden, sei dies ein "Weihnachtsquerschläger", meinte der Caritas-Präsident im APA-Interview.

Wie Küberl betonte, konzentriere man sich unseren Breiten "wahnsinnig stark auf Europa". Hier sei aufzupassen, "dass man nicht vor lauter Europa den größeren Rest der Welt übersieht". Die Migrantenströme seien ja "eine Art Fieberkurve des Weltzustands". Es gebe eine ganze Menge "von sehr schwierigen Zuständen weltweit, die man gerade zu Weihnachten nicht übersehen soll". Die Hauptaufgabe werde daher sein, "diese entsetzlichen und großen Nöte" zu bewältigen.

Zweiter zentraler Punkt für den Caritas-Präsidenten ist, sich dem Phänomen "einer etwas kälter werdenden Gesellschaft" zu stellen. Es falle auf, dass Menschen "mit materieller oder seelischer Mangelsituation" diese Mängel zu verbergen suchten, in dem die Fassade aufrecht erhalten bleibe. Daher müsse die Gesellschaft wieder das "Gspür" entwicklen, dass es den Leuten nicht gut gehe und sie Zuspruch benötigten, um überhaupt existieren zu können. Derzeit gebe es einen Zwang zur Perfektion: "Jeder will das Etikett der Makellosigkeit haben oder meint, es haben zu müssen. Objektiv ist es schwerer geworden, sich Schwächen einzugestehen". Hier greife eine "ganz eigentümliche Form von Armut um sich".

Gerade zu Weihnachten gelte es, auch das gewisse Maß an Gleichgültigkeit zu überwinden. Funktionieren könne dies nur so, "dass man die anderen, die Leute neben sich als gleichwertig anerkennt wie sich selbst". Die Kälte der Gesellschaft in zwischenmenschlichen Dingen nehme in dem Ausmaß zu, als dies nicht gelernt werde.

22.12.2002 08:52