Mittwoch, 18. Dezember 2002

Vorarlberg: Jugendtrainer missbrauchte Kinder

  • Mindestens 20 Opfer in den letzten 21 Jahren
  • Hinweise unter der Tel.-Nr. 05574/411-333 erbeten

Die Missbrauchsaffäre um einen Vorarlberger Sporttrainer könnte sich ausweiten: Bislang haben sich 20 zum Teil bereits erwachsene Opfer bei der Polizei gemeldet. Doch die Ermittler der Kriminalabteilung Bregenz geht nun davon aus, dass die Dunkelziffer der missbrauchten Buben noch weitaus höher sein könnte. Der 45-Jährige ist derzeit in Untersuchungshaft.

Die Fälle liegen bis zu 21 Jahre zurück, gab die Sicherheitsdirektion Vorarlberg bekannt. Der Verdächtige wird nach Abschluss der Ermittlungen wegen wiederholtem sexuellem Kindesmissbrauch bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch angezeigt.

Der Mann sitzt derzeit in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft. Aufgeflogen ist der pädophile Jugendtrainer Ende November durch die Anzeige einer Mutter, die den 45-Jährigen beschuldigte, in den vergangenen Jahren zu ihrem damals unmündigen Sohn sexuelle Kontakte unterhalten zu haben. Der Trainer war bei der Kriminalabteilung als pädophiler Sittlichkeitstäter vorgemerkt.

Buben zwischen acht und zwölf Jahren betroffen
Bei der Hausdurchsuchung im Dezember und nach weiteren Ermittlungen fand die Kripo Anhaltspunkte, "dass sich der Verdächtige einerseits in der Homosexuellenszene bewegte und andererseits auch sexuelle Kontakte zu unmündigen Knaben unterhielt". In den Vernehmungen gab der Beschuldigte nach und nach zu, seit 1981 mindestens 20 Knaben zwischen acht und zwölf Jahren missbraucht zu haben. Der größte Teil der Opfer waren Knabenfußballspieler und Radballsportler von Mannschaften aus Feldkirch und Umgebung, dem Bregenzerwald und Rheindeltagemeinden, denen der Verdächtige als Trainer oder in sonstigen Funktionsposten vorstand.

Auch Gastarbeiterkinder als Opfer
Außerdem suchte der 45-Jährige laut Kriminalabteilung Kontakte zu weiteren Buben, vorwiegend Gastarbeiterkindern aus ärmlichen Verhältnissen. Bei Sportveranstaltungen sprach er sie an und brachte sie mit kostspieligen Geschenken, Geldbeträgen und Einladungen zu diversen Sport- und Kinoveranstaltungen in ein Abhängigkeitsverhältnis. Schließlich missbrauchte der Verdächtige dann über längere Zeiträume auch diese Kinder - zum Teil bis ins jugendliche Alter.

Gendarmerie bittet um Hinweise
Die Kriminalisten von der Gruppe Sexualdelikte haben wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass viele der früheren Missbrauchopfer das Erlebte aus Scham und/oder wegen des Autoritätsverhältnisses des Trainers/Sportfunktionärs für sich behielten. Die Kripo geht davon aus, dass der Verhaftete im Lauf der achtziger und anfangs der neunziger Jahre noch weitere Knaben sexuell missbraucht haben könnte. Geschädigte wurden ersucht, sich mit der Sexualdeliktgruppe der Kriminalabteilung Bregenz (Tel. 05574/411-333 oder Mailto:
v-ka.sittlichkeitsdelikte@gendarmerie.at) in Verbindung zu setzen. Falls gewünscht, wurde Vertraulichkeit zugesichert.

18.12.2002 16:37