"Psychisch krank": EDOK-Prozess um Monate vertagt!
- Ex-Staatsanwalt Mekis neuer Verteidiger des EDOK-Beamten
- Er löcherte die Kollegen des Angeklagten mit Fragen
·Mafia-Prozess
Ex-Staatsanwalt Mekis Verteidiger
·Die Anklage
Wie Drehbuch zu Hollywood-Thriller
·Mafia-Prozess
Haftstrafen für zwei geständige Beamte
Überraschung am 18. Dezember, einen Tag vor der geplanten Urteilsverkündung im EDOK-Prozess: Der wegen Amtsmissbrauch angeklagte Mafia-Fahnder ist "psychisch krank" - ein Attest bestätigt ihm "mangelndes Unrechtsbewusstsein". Der Richter zynisch: "Das heißt also, Sie waren über Jahre hinweg zurechnungsunfähig!" Oberstleutnant Josef B. soll den mutmaßlichen Mafia-Paten Jeremiasz B. (sein EDOK-V-Mann ) vor anderen Ermittlern beschützt haben. Gegen den Polen läuft ein Mordverfahren!
Eigentlich hätte am 53. Geburtstag des Spitzenpolizisten im Wiener Landesgericht das Urteil gefällt werden. Stattdessen musste die Verhandlung gegen Josef B. auf unbestimmte Zeit vertagt werden.
Grund für die Verfahrensverzögerung: Ein Attest bescheinigt dem Oberstleutnant eine "psychische Erkrankung". Aus nervenfachärztlicher Sicht bestünden Zweifel an der Dispositions- und Diskretionsfähigkeit des Beamten, heißt es darin. "Mangelndes Unrechtsbewusstsein" liege vor, Josef B. sei deshalb womöglich außer Stande gewesen, zum Tatzeitpunkt das Unrecht seines Handelns einzusehen. "Das heißt also, Sie waren an der Spitze der EDOK und über Jahre hinweg zurechnungsunfähig!", bemerkte der beisitzende Richter Frederick Lendl, nachdem die Vorsitzende Eva-Maria Seidl das Schreiben einer in der Justizanstalt Josefstadt beschäftigten Psychiaterin verlesen hatte, wo der derzeit vom Dienst suspendierte Polizist in U-Haft sitzt.
Bei dieser fühlt sich Josef B. nach eigenen Angaben "in guten Händen". Als der U-Richter im gerichtlichen Vorverfahren einen psychiatrischen Sachverständigen beiziehen wollte, hatte der Oberstleutnant das noch abgelehnt. Mittlerweile zweifelt er aber offensichtlich selbst an seiner Zurechnungsfähigkeit. "Ich habe in acht Monaten U-Haft sehr viel gelernt in meinem Leben", erläuterte er. Er nehme bei der Anstaltspsychiaterin seit längerem eine Gesprächstherapie in Anspruch, bei der sich "wichtige Varianten meinen Seelenzustand" betreffend ergeben hätten.
Besagte Psychiaterin war am vergangenen Dienstag in einem weißen Kittel - wie es im entsprechenden Aktenvermerk heißt - gegen 10.30 Uhr in die Kanzlei der vorsitzenden Richterin geeilt, um dort in einem Kuvert persönlich eine Art "Gutachten" zu deponieren. "So etwas hat's in meiner ganzen Laufbahn noch nicht gegeben! Das mutet für das Gericht ein bisschen eigentümlich an", stellte dazu Richterin Eva-Maria Seidl fest.
In dem mit "ärztlicher Bestätigung" betitelten Dokument ist ausführlich von "Verhaltensauffälligkeiten", einer "Persönlichkeitsstörung", "Anpassungsstörung" und "reaktiven Belastungsstörungen" die Rede. "Neigung zu Schuldgefühlen", ein "verstecktes ängstlich-depressives Bild", "starkes Sendungsbewusstsein", übermäßige Zweifel, Eigensinn, Pedanterie, Perfektionismus werden beschrieben.
Josef B., der sich vom landwirtschaftlichen Facharbeiter zum operativen Leiter der EDOK emporarbeitete, habe an "ständiger beruflicher Überlastung" und "Belastungen im privaten Bereich" gelitten: Der Tod der geliebten Schwiegermutter, die Diabetes-Erkrankung seines Sohnes, die religiösen Zwistigkeiten mit seiner tief katholischen Mutter, die seine andersgläubige Ehefrau ablehnte, hätten den Spitzenpolizisten nieder gedrückt. Bei seinem beruflichen Aufstieg fiel seine offensichtlich schwer angeschlagene Psyche anscheinend aber nicht ins Gewicht.
Das Schöffensenat entschloss sich im Hinblick auf diese detailreichen Ausführungen, mit Sigrun Rossmanith eine gerichtlich beeidete Sachverständige für Psychiatrie mit der Erstellung eines Gutachtens zu betrauen. Sie soll jetzt endgültig klären, ob es Josef B. tatsächlich an der Zurechnungsfähigkeit mangelt, die - zumindest theoretisch - zu seiner Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher führen könnte.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien10:53
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
