Mittwoch, 18. Dezember 2002

Eingeschlafener Bankräuber: Neun Jahre Haft!

  • Trank sich vor der Bank Mut an und schlief im Auto ein
  • Verurteilter erbat sich Bedenkzeit

Den 23. September 2002 wird der Mann nie vergessen: Ein in der Oststeiermark lebender Kroate wollte eine Bank überfallen. Vor dem Geldinstitut trank er sich im Auto Mut an - und schlief ein. Heute wurde er wegen seines geplanten Bankraubs in Graz verurteilt. Trotz Geständnis zu einer extrem harten Strafe: Neun Jahre Haft.

Weil eine Grazer Bank, die er überfallen wollte, gerade Mittagspause hatte, machte ein Kroate ein kleines Schläfchen im Auto. Doch aus dem Überfall wurde nichts: Plötzlich rissen Polizisten den 34-Jährigen höchst unsanft aus dem Schlaf und nahmen ihn fest. Eine Pistole und eine Maske am Beifahrersitz hatten den Mann verraten.

Am Mittwoch musste er sich für zwei durchgeführte und den misslungenen Überfall vor einem Grazer Geschworenengericht rechtfertigen. Er war geständig und wurde - nicht rechtskräftig - zu neun Jahren Haft verurteilt.

Geldsorgen
Bruno R. hatte große Geldsorgen, als er im Dezember 2000 erstmals auf die Idee verfiel, eine Bank in Graz zu berauben. Er kaufte sich eine Gaspistole, nahm eine Wollhaube mit Gucklöchern und ging in ein Geldinstitut. Dort schrieb er auf einen Erlagschein "Banküberfall" und schob diesen Zettel dem verblüfften Bankbeamten hin. Dieser gab ihm das Geld, insgesamt betrug die Beute umgerechnet 11.760 Euro.

Ein Jahr später war der Angeklagte wieder in Geldschwierigkeiten - "ich habe Küche und Bad renovieren müssen" - und versuchte sein Glück bei einer Post in Graz. Auch dieser Überfall klappte. Der Kroate fuhr mit umgerechnet 5.123 Euro wieder zurück in die Heimat.

Schnaps machte müde
Im September 2002 wollte er zum dritten Mal in Graz zuschlagen: Er suchte sich eine Bank aus, nahm wieder die Gaspistole und die Maske und fuhr los. Doch die Bank hatte Mittagspause, und so ging der Kroate unverrichteter Dinge zurück zu seinem Auto. Dort machte er es sich gemütlich und trank immer wieder aus seiner Schnapsflasche. Darüber schlief er ein und merkte nicht, dass die Bank längst wieder offen hatte. Doch Passanten kam der Wagen verdächtig vor (er trug zwei verschiedene Nummerntafeln), und sie riefen die Polizei. Als Bruno R. wieder erwachte, war alles vorbei und er festgenommen.

Geständnis half nichts
Er bekannte sich von Anfang an schuldig. "Es tut mir so Leid", erklärte er. Er machte keinen ernsthaften Versuch, den dritten Überfall zu leugnen: "Ja, ich wollte die Bank auch überfallen", gestand er. Die Geschworenen befanden den Mann für schuldig zweier Raube sowie eines Raubversuchs.

Der Angeklagte wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. Manch eine schwere Gewalttat wird weniger hart geahndet. Er erbat sich Bedenkzeit.

18.12.2002 09:32