Linz gibt Schiele-Gemälde zurück
- An Erben jüdischer Besitzerin

Ein bedeutendes, aus dem Jahr 1916 stammendes Gemälde von Egon Schiele - "Krumau" oder manchmal auch "Städtchen am Fluss" betitelt - wird jetzt von der Stadt Linz den Erben jener Jüdin zurückgegeben, die das Bild im März 1938 bei der Flucht vor den Nazis in ihrer Wiener Wohnung zurücklassen musste. Dies teilten Bürgermeister Franz Dobusch (S) und Kulturreferent Vizebürgermeister Reinhard Dyk (V) am Dienstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit.
Das Bild, das bisher in der Neuen Galerie der Stadt Linz ausgestellt war und hier eines der wichtigsten Gemälde darstellte, repräsentiert einen Wert von mindestens zehn Mill. Euro.
Das Gemälde war bis 1938 im Besitz der Wiener Jüdin Daisy Hellmann, die aber nach dem Anschluss flüchtete, das Schiele-Bild blieb zurück. Die Gestapo nahm es an sich, 1942 wurde es im Wiener Dorotheum versteigert. Ein Kunsthändler erwarb das Gemälde im Auftrag des Berliner Sammlers Wolfgang Gurlitt. Dieser wiederum verkaufte 1953 seine komplette Sammlung der Stadt Linz, darunter auch das Schiele-Bild "Krumau". Nach den jetzt durchgeführten Untersuchungen von Historikern wusste damals bei der Stadt Linz niemand, dass es sich bei dem Gemälde um entzogenes jüdisches Vermögen gehandelt hat. Auch war bei der Stadt Linz nicht bekannt, dass Daisy Hellmann - sie lebte inzwischen in Brasilien - bereits kurz nach dem Krieg den Antrag auf Rückgabe des Bildes gestellt hatte. Dieser Antrag wurde damals vom Gericht abgewiesen, weil nicht nachweisbar war, dass Gurlitt wusste, dass es sich um entzogenes jüdisches Eigentum handelte.
Im Zuge der seit Jahren von der Stadt Linz durchgeführten "Aufarbeitung der NS-Vergangenheit" wurde die Geschichte von "Krumau" neuerlich untersucht, die Zeitgeschichtler kamen zu dem Schluss, dass die Stadt das Bild rechtlich korrekt gekauft hatte, daher juristisch keine Verpflichtung zur Rückgabe an die Erben von Daisy Hellmann bestehe. "Moralisch ist die Rückgabe aber gerechtfertigt", sagte Bürgermeister Dobusch bei der Pressekonferenz. Und Vizebürgermeister Dyk stellte fest: "Die Rückgabe ist für mich im Sinne der Aufarbeitung der Vergangenheit und der Wiedergutmachung zwingend und logisch".
Im Jänner wird der Linzer Gemeinderat endgültig zu entscheiden haben, dass sich die Stadt beziehungsweise die Neue Galerie von dem Schiele-Gemälde trennt. Nach diesem Beschluss - "mit dem ich rechne" (Dobusch) - wird das Bild an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien übergeben. Diese hat es übernommen, das Werk an die Erben von Daisy Hellmann auszufolgen. Soweit bekannt wurde, handelt es sich um eine zumindest aus sieben Personen bestehende "Erbengemeinschaft". Was die Erben dann mit dem Bild machen, ist nicht bekannt. Die Erben leben in den USA, in England und in Israel. Dazu Peter Baum, der Direktor der Neuen Galerie: "Es wäre von nationalem Interesse, dass das Bild in Österreich bleibt, aber wenn es die Erben anders wollen, dann wird man in diesem speziellen Fall die Ausfuhr erlauben müssen".
Erika Jakubovits, Executive Director des Präsidiums der IKG, drückte gegenüber der APA die "sehr, sehr große Freude" der IKG "vor allem für die Erben" aus. "Es hat lange gedauert und war sehr schwierig für die Stadt Linz, dieses wichtige und wertvolle Bild herzugeben. Ich verstehe das", so Jakubovits. Der Beschluss der Rückgabe sei "ein absoluter Grund zur Freude", für den sie sich bei den Verantwortlichen bedanke.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Mordalarm in Wien10:53
Zu Tode geprügeltMann sagte nach Schlägerei bei der Polizei aus - nun folgte die Rache
