Studie belegt: Er will immer, sie selten
- Nur bei Frauen läßt sexuelles Verlangen immer mehr nach
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Je länger die Beziehung eines Paares dauert, desto unterschiedlicher werden die sexuellen Interessen von Mann und Frau: Dass dieses Verlaufsmuster der Lust nicht bloß ein Klischee ist, hat jetzt eine Untersuchung des Hamburger Medizinpsychologen Dietrich Klusmann ergeben. Demnach ist der Sex nur in der Anfangsphase der Partnerschaft für beide Seiten gleichermaßen befriedigend. "Danach geht es abwärts mit der erotischen Zufriedenheit, und die berüchtigte Geschlechterkluft im Verlangen stellt sich ein: Er will immer, sie selten", schreibt die Zeitschrift "Psychologie Heute" in ihrer Jänner-Ausgabe über die Ergebnisse des Hamburger Forschers.
Klusmann, der am Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf arbeitet, griff dem Bericht zufolge auf eine Befragung von 1.865 Studentinnen und Studenten an 15 deutschen Universitäten zurück. Die Teilnehmer waren 19 bis 32 Jahre alt, heterosexuell und hatten einen festen Partner. Während von den Befragten, die noch frisch verliebt waren, etwa zwei Drittel in den vergangenen vier Wochen mehr als sieben Mal miteinander geschlafen haben, sah dies bei den älteren Beziehungen schon anders aus: Nur noch ein Drittel der Studenten, die schon länger als drei Jahre mit ihrem Partner zusammen waren, erreichte diese Quote.
"Im gleichen Maße ließ das Behagen nach. Fanden im ersten Jahr noch 41 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen ihr Sexleben 'sehr befriedigend', so waren es nach dem dritten Jahr nur noch 23 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen", schreibt die Zeitschrift. Die Antworten zeigten zudem, dass ausschließlich bei den Frauen das sexuelle Verlangen nachließ: Im ersten Jahr gaben noch 65 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer an, mindestens genauso oft wie der Partner Lust zu verspüren. Bei den länger Liierten hingegen beschrieben sich noch immer 76 Prozent der Männer als der aktivere oder gleich aktive Part, aber nur 26 Prozent der Frauen.
Der Hamburger Forscher hat dem Bericht zufolge eine evolutionspsychologische Erklärung für den unterschiedlichen Verlauf der Geschlechterlust. "Männer sichern ihren Reproduktionserfolg dadurch ab, dass sie die Partnerin mit möglichst hohen Mengen an Spermien beglücken", schreibt die Zeitschrift. "Bei Frauen hingegen steht Sexualität nach dieser Sicht der Dinge vor allem im Dienste der Bindung. Und da gilt es am Anfang, wenn die Bindung noch unsicher ist, viel Lust zu investieren. Später indes, wenn frau den Partner fest an der Leine weiß, tun es ein paar gelegentliche Energie sparende Kuscheleinheiten."
Beim Bedürfnis nach Zärtlichkeit herrschen allerdings umgekehrte Verhältnisse: Während die Männer anfangs mit dem Kuschelbedürfnis ihrer Partnerin noch einigermaßen mithalten konnten, beschrieben sich 93 Prozent der langjährig gebundenen Studentinnen als der zärtlichkeitsbedürftigere Teil des Duos.
Die Originalstudie ist im Fachjournal "Archives of Sexual Behavior" (Bd. 31, Nr.3, S. 275) erschienen.
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