Mittwoch, 11. Dezember 2002

Kärtner Blues vor Kanzlerplan

  • PLUS: FPÖ-Debakel - Diskutieren Sie mit!

Jörg Haider: Sein Leben nach der Niederlage. Ein Interview über seinen Rückzug, seine Ehe, böse Gerüchte, Gummizellen und seine mögliche Zukunft als Ironman oder Buchhändler.

Sonntagnachmittag in den Gemäuern der Kärntner Landesregierung. Düstere, menschenleere Gänge und Feiertagsstille. Nur eine geschmückte Tanne, der Portier, Jörg Haiders persönliche Sekretärin Christine Kogler und der Chef höchstselbst versehen Dienst am Tag des Herrn – der sogar in Kärnten noch dem lieben Gott und nicht dem Landeshauptmann gewidmet ist. Während die zu erneuernde Partei in Salzburg mit Herbert Haupt ihren neuen Führer kürt, empfängt der alte NEWS zum Interview in seinem Büro.

Das Handy wird demonstrativ im Dienstwagen gelassen: „Damit mich keiner erreichen kann.“

Soll uns sagen: Das, was sich am Parteitag im nicht zu fernen Salzburg abspielt, interessiert das Jetzt-aber-wirklich-einfache-Parteimitglied gar nicht. Entspannt durch einen 20-km-Lauf im winterkalten Kärnten, will er ausschließlich übers Private reden und die neu errungene Freiheit genießen.

Es ist wohl ein bisschen Inszenierung dabei – denn in Wahrheit ist Jörg Haider auch an diesem Tag schon wieder da. Dass er davor weg war und sich am Rande des Parteitages mit seinen Allergetreuesten getroffen hat, wird nicht erwähnt.

„Ich tu mir das nimmer an.“
Jörg Haider demonstriert Lockerheit. Ein Lachen – so tapfer und echt wie am Wahltag. Obwohl ihm schon damals ganz und gar nicht danach war. Dennoch: „Man kann ja nicht die ganze Welt mitbelasten. Ich hab gute Miene zum bösen Spiel gemacht.“ Schwierig sei dies nicht gewesen, meint er durchaus routiniert: „Denn ich habe ja schon öfter schwierige Situationen erlebt.“ Von der Abwahl als Kärntner Landeshauptmann bis hin zu den Sanktionen nach dem Eintritt seiner Blauen in die Regierung. Doch nun sei er endgültig müde: „Ich hab mich gefragt, ob mein Einsatz mit dem Ergebnis in Einklang steht. Das ist nicht der Fall. Darum lass ich es jetzt. Ich will mir das nimmer antun.“ Seine Zeit will der bald 53-Jährige künftig wieder einmal lieber bei denen zubringen, die ihm seine Aufopferung auch danken. Als Landeshauptmann im Land und als Familienvater daheim.

Polit-Szenario
Freilich: Wie lange die finstere Entschlossenheit, der Sisyphus-Arbeit zu entsagen, diesmal hält, ist nicht abzusehen. In der Partei macht man sich keine Illusionen, dass spätestens nach der Entscheidung über die nächste Regierung sein Wort wieder Gewicht haben wird. Vor allem wenn Schüssel die Blauen in die Opposition schickt, wird mit seiner Rückkehr gerechnet. „Dann“, glaubt ein FPÖ-Spitzenmann, „steht er auch wieder auf dem Wiener Parkett.“ Bestmöglicher angenommener Zeitpunkt: Nach dem absehbaren Debakel bei der nö. Landtagswahl könnte er die Partei wieder übernehmen und die Abspaltung eines guten Drittels der Partei bewusst in Kauf nehmen.

Das alles weist er von sich. Hinter seiner Rückzugs-Entscheidung stünde seine Frau. Claudia Haider, 45, sehe den Platz ihres Mannes eher daheim als in der Bundespolitik. Sie, eine gebürtige Tirolerin, leitet seinen Betrieb im Bärental, studiert Psychologie, wirkt als Gemeindevorstand in Feistritz und engagiert sich karitativ im Bereich der Hospizmedizin.

Edda Graf

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

Außerdem:

  • Kritiker über Haider: Wie weg ist er wirklich?
  • Jörg Haider über sein Scheitern, will keine Fehler gemacht haben und überrascht mit privaten Plänen
  • FPÖ: Friedhof der Kuscheltiere

    11.12.2002 14:27