Sonntag, 15. Dezember 2002

Prämien für Kfz-Versicherung steigen 2003 erneut

  • Verluste in der Autoversicherung heuer bei rund 100 Mio. Euro
  • Durchschnittsprämie in der Haftpflicht wird um rund 3 % teurer

Schlechte Nachrichten für Autofahrer: Die Prämien in der Autoversicherung werden auch 2003 steigen. In der Kfz-Haftpflicht steigen die Durchschnittsprämien seit 2001 nach den Rückgängen der Jahre 1995 bis 2000 wieder. Für 2002 wird mit einem Zuwachs von 3 Prozent auf eine Durchschnittsprämie von 259 Euro gerechnet, heuer sei eine Steigerung ähnlicher Größenordnung zu erwarten.

Der Überbringer der schlechten Nachrichten ist Bruno Friedl, Generali- und Interunfall-Vorstand und im Versicherungsverband Vorsitzender der Sektion Kfz. In der Kaskoversicherung, dem "Sorgenkind" der Autoversicherer, sei mit Prämienerhöhungen vor allem im Neugeschäft von durchschnittlich 4 bis 6 Prozent zu rechnen!

"Differenzierte" Vorgehensweise
Bei den Prämienanpassungen werde differenziert vorgegangen, "manche höher und manche weniger hoch". Es gebe auch Fahrzeuggruppen, wo es zu keinen Anhebungen kommen würde. Die Palette reiche von null bis zehn Prozent, je nach Fahrzeuggruppe.

Zuckerln zurückgeben...
Im Vergleich zur "Rabattitis" der vergangenen Jahre seien die Rabatte marktweit zurückgenommen worden. Zwar gebe es nach wie vor Rabatte, diese lägen aber nun zwischen 10 und 15 Prozent, "wenn die Kundenbeziehung passt". In früheren Jahren seien 30 bis 40 Prozent gewährt worden.

Autoversicherungen im Defizit
Die Autoversicherung sei nach wie vor defizitär, es werde entgegen ursprünglicher Erwartungen auch heuer nicht gelingen, in die Gewinnzone zu kommen. Die Verluste in der Autoversicherung (Haftpflicht und Kasko) dürften bei mindestens 100 Mio. Euro liegen, im Jahr 2001 lag das Minus bei 240 Mio. Euro, 2000 waren es 436 Mio. Euro.

Die Haftpflichtversicherung sei dabei leicht in den roten Zahlen, die Kaskoversicherung "schwer rot". Die schwierige Situation auf den Finanzmärkten mache zudem einen Ausgleich durch das Finanzergebnis immer schwieriger.

Ansetzen wollen die Assekuranzen bei der Sanierung der Autosparte auch bei der Produktgestaltung wie beispielsweise höheren Selbstbehalten in der Kaskoversicherung, Kosten und Schadenmanagement. Die Saat für schwarze Zahlen in der Kfz-Versicherung sei bereits in den Jahren 2001 und 2002 in die Erde gelegt worden, nun hoffe die Branche, dass sie 2003 aufgeht. Es müsste gelingen, die Verlust in "eine rote oder schwarze Null" umzuwandeln.

Haftpflicht-Teuerungen bei Neuverträgen
Die Prämien in der Haftpflicht dürfen von den Versicherungen einmal pro Jahr angehoben werden. Dabei müssen allerdings die höheren Kosten belegt werden, die Versicherungsaufsicht kann theoretisch die Prämienerhöhungen nicht genehmigen. In der Kaskoversicherung werden die höheren Preise vor allem für Neuverträge wirksam.

Längere Vollkasko
Die Probleme in der Kaskoversicherung resultierten unter anderem auch daraus, dass immer mehr Versicherungsnehmer wegen der relativ niedrigen Prämien ihr Auto länger Vollkasko versichern, so Friedl. Der Umstieg auf Teilkasko sei früher nach rund zwei Jahren erfolgt, nun liefen die Vollkaskoverträge 4 bis 5 Jahre.

Auch im Neugeschäft sinkt die Beliebtheit der Teilkasko-Versicherung. Im Jahr 1995 lag der Anteil der Vollkaskoversicherung im Neugeschäft noch bei einem Drittel, 2002 waren das Verhältnis mit zwei Drittel Vollkasko und einem Drittel Teilkasko bereits umgekehrt. Die zunehmende Leasingfinanzierung beim Autokauf, die mit Vollkaskoversicherung operiert, leiste dazu auch einen Beitrag. Rund 30 Prozent der neuen Pkw werden bereits über Leasing finanziert. Die durchschnittliche Behaltedauer eines Autos liege in Österreich derzeit bei 4 Jahren.

Sanierungs-Pläne
Zur Sanierung der Autoversicherung in Österreich müsse es gelingen, die Schraube über Betriebskosten und besseres Schadenmanagement anzuziehen. Ansetzen wollen die Versicherungen dabei bei den Reparaturkosten.

Denn: In Österreich seien die Reparaturkosten höher als in den Nachbarländern. Bei einem Vergleich von Reparaturkosten in einer Markenwerkstatt zwischen Wien und München habe die Münchener Werkstatt um 15 Prozent netto billiger angeboten als die Wiener.

15.12.2002 14:43