Mittwoch, 11. Dezember 2002

Bankomat-Gebühr: RLB zieht Idee zurück

  • Bittere Beschwerde über VKI, AK und die anderen Banken
  • Banken wollen Kunden zum "Plastikgeld" treiben

Scharfe Kritik hagelte es in der Vorwoche für die überraschende Bankomat-Gebühr der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien und der RLB Tirol. Die Institute wollten ab 1. Jänner 2003 für Bankomat-Behebungen eine Gebühr von 55 Cent verrechnen! Nach Kritik-Stakkato und Häme zieht die RLB NÖ Wien den Plan jetzt zurück. Aber ihr Generaldirektor beklagt sich mit bitteren Worten über die Konsumentenschützer und die anderen Banken, die nicht mitzogen. Der Auftakt zur Rückkehr zum Sparstrumpf?

Die Raiffeisen-Landesbanken reagieren verschnupft auf die all-umfassende Kritik an ihren Gebührenplänen. Das Unverständnis, auf das man gestoßen sei, habe die Führung der Bank gewogen, die Bankomat- sowie Foyer-Gebühr nicht zu verrechnen, erklärte der Generaldirektor der RLB NÖ-Wien, Peter Püspök, am Montag.

Andere Banken "ließen RLB allein"
"In Wirklichkeit hat es sich bei diesem Thema um ein 'Banken-Mikado' gehandelt: Wer sich als Erster bewegt, hat verloren", meinte Püspök. Bei der Umsetzung einer Preisstrategie auf Basis "Kostenwahrheit" sei man aber von den anderen Banken allein gelassen worden.

Auf Grund der guten Entwicklung der Bank sei man zwar bereit gewesen, die undankbare Rolle des Pioniers zu übernehmen. Da aber der Mut zur Unterstützung dieser Maßnahme bei den Mitbewerbern gefehlt habe, habe man sich zu der Rücknahme dieser "betriebswirtschaftlich mehr als gerechtfertigten Preisgestaltung" entschlossen.

Gebühr-Idee verteidigt
Die RLB NÖ-Wien habe mit der Einführung einer Bepreisung der Bankomatbehebungen eine der Kostenwahrheit entsprechende und daher gerechtfertigte Maßnahme getroffen, betonte Püspök. Die bekannte Verordnung der EU habe durch die Gleichsetzung der Gebühren für Behebungen im In- und Ausland eine neue Kalkulation erfordert und damit eine Erhöhung der Durchschnittskosten verursacht.

Giftpfeile gegen den Konsumentenschutz
Püspök greift auch die Konsumentenschützer an, die durch ihre Ablehnung der Bankomat-Behebungsgebühr die von ihnen selbst geforderte verursachergerechte Preisgestaltung verhindert hätten: Püspök wirft ihnen vor, nicht im Interesse der Konsumenten zu handeln. "Wer schützt die Konsumenten vor den Konsumentenschützern?", versucht er sich in einer provokanten Frage.

Püspök: Die Konsumentenschützer werden erklären müssen, wo es gratis Bankomatkarten gibt und wo die Betreuung und Befüllung gratis sei. Er wundere sich auch, wie man bei einem Produkt, das in seiner Entstehung 80 Cent und beim Verkauf 55 Cent koste, als "Wucherer" abgestempelt werden könne.

Ziel: Bargeldlos
Der eigentliche Dorn im Auge der Bank - oder besser, der Banken - ist die Tatsache, dass die Österreicher ihr Geld überhaupt abheben wollen. Viel lieber sähen es die Geldinstitute, wenn die Kunden zum bargeldlosen Geldverkehr schreiten und nur noch in "Plastikgeld" zahlen würden. Die Befürchtung vieler Österreicher, dann nicht so viel Übersicht über ihre Ausgaben zu haben, will die RLB NÖ mit einer Info-Kampagne zerstreuen.

RLB will das Geld jetzt "verdeckt" einheben
"Die Konsumtenschützer haben mit ihrem Widerstand die Kostenwahrheit verhindert", so der RLB NÖ-Wien-Chef. Eine dadurch notwendige "Verschleierungskalkulation" der Kosten würde den Konsumenten schaden. Den Konsumentenschützern warf Püspök weiters vor, das Problem fast ausschließlich unter juristischen Gesichtspunkten zu sehen.

Ein Sprecher der RLB NÖ-Wien begründete die Einführung der Behebungsgebühren ursprünglich damit, dass das Defizit aus diesem Bereich an die Kunden weiterverrechnet werde. Die Gebühren entsprächen den von den Systembetreibern der RLB NÖ-Wien verrechneten Kosten für die Transaktion.

Gebühr gesetzwidrig
Das ist gesetzeswidrig! Sagetn Konsumentenschützer zur neuen Bankomat-Gebühr. Sie drohten der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) mit Klage! Ab 1. Jänner 2003 sollten Gebühren für die Geldbehebung über Bankomaten oder Foyer-Automaten kassiert werden. Bargeldbehebung am Foyer-Automaten kosten 30 Cent, beim Bankomat 55 Cent, am Schalter 80 Cent. Die Rückkehr zum Sparstrumpf?
Andere große heimische Bankinstitute versicherten, nicht an eine solche Maßnahme zu denken.

"Statt fairer Bankomat-Bedingungen und kostenfreier Schalter-Barabhebungen sollen die Kunden geschröpft werden", will der Chef der Rechtsabteilung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Peter Kolba, nun Musterprozesse prüfen. Die RLB NÖ-Wien setze hier ein "falsches Signal".

Der VKI hält die Methoden der Einführung von Bankomat-Gebühren laut einer Presseaussendung vom Donnerstag für "gesetzwidrig". Solche Gebühren könnten durch einseitige Ankündigung des Instituts bei laufenden Verträgen nicht rechtswirksam werden.

der Bank zur Verfügung gestelltes Geld, ohne Gebühr wieder zurückgezahlt zu bekommen.

Bankomatgebühr für Arbeiterkammer "völlig unakzeptabel"
Für die Arbeiterkammer Wien (AK) ist die von der Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) geplante Bankomat-Gebühr "völlig unakzeptabel". "Banken, die auch planen, eine solche Gebühr einzuheben, sollen das jetzt öffentlich sagen", fordert AK-Konsumentenschützer Harald Glatz. Die Kunden müssten wissen, "wie sie dran sind".

Bankenwechsel zu überlegen
"Die Konsumenten sollen sicher gehen, ob sie durch einen Bankenwechsel den ungerechtfertigten Gebühren entgehen", heißt es in einer AK-Aussendung. "Wenn nämlich alle anderen Banken innerhalb einer Wartezeit nachziehen, entstehen den Konsumenten nur zusätzliche unnötige Spesen." Falls auch andere Banken eine Bankomat-Gebühr einführen, werde die AK die Wettbewerbsbehörde einschalten.

80 Cent an der Kasse
"Die Bankkunden werden immer mehr geschröpft", kritisiert Glatz. "Wer an der Kassa Bargeld abhebt, muss 80 Cent draufzahlen", bestätigt die AK entsprechende Erhebungen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Hinzu komme die jährliche Bankomatkarten-Gebühr von 18,17 Euro.

Auch die Bank Austria Creditanstalt hebt seit kurzem für Zahlschein-Einzahlungen höhere Spesen ein.

11.12.2002 13:29