Montag, 9. Dezember 2002

Tourismus legte im Sommer trotz Konjunkturflaute zu

  • Erstmals seit zehn Jahren wieder Nächtigungsplus
  • Inländernächtigungen und Zahl der Betriebe rückläufig

Der österreichische Tourismus hat trotz Konjunkturschwäche und Hochwasserkatastrophe in der abgelaufenen Sommersaison 2002 (Mai bis Oktober) bei den Nächtigungen und beim Umsatz zugelegt. Die Nächtigungen stiegen um 1,4 Prozent auf 60,1 Mio., der Umsatz wuchs um 6,2 Prozent auf 8,48 Mrd. Euro, berichteten Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann (FP) und Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, am Montag bei einem Pressegespräch. Für die Wintersaison 2002/03 erwartet Rossmann ein "leichtes Nächtigungs- und Umsatzplus", Smeral hingegen "ein Umsatzplus von 5 Prozent bei einem leichten Nächtigungsanstieg".

Für die kommende Sommersaison 2003 prognostiziert Smeral ein durch die Konjunkturflaute leicht abgeschwächtes Umsatzwachstum von 3 Prozent und einen leichten Nächtigungsrückgang. In der abgelaufenen Sommersaison 2002 wurde erstmals seit 10 Jahren wieder ein Nächtigungsplus verzeichnet, während Konkurrenten wie Deutschland, Schweiz und Südtirol Rückgänge aufwiesen, so Smeral. "Der Tourismus stellt in der konjunkturschwachen Phase als einzige Branche einen Beschäftigungs-, Investitions- und Exportmotor dar und ist der Erfolgsfaktor in Österreich", bemerkte Rossmann. Allerdings brauche der Tourismus "dringend Steuererleichterungen".

Starkes Ergebnis vor allem im Mai
Die Zuwächse in der Sommersaison sind auf ein starkes Mai-Ergebnis - plus 14 Prozent bei den Nächtigungen - und Zuwächse in den Monaten von Juli bis Oktober zurückzuführen. Im Juni wurde allerdings ein 2,9-prozentiges Nächtigungsminus verzeichnet. Im Sommer 2002 stand ein Rückgang der Inländernächtigungen von 1,4 Prozent einem Plus bei den Ausländernächtigungen von 2,7 Prozent gegenüber. Zuwächse wurden vor allem bei den Gästen aus Deutschland - dem wichtigsten Herkunftsland - mit plus 2,8 Prozent verzeichnet, auch Schweizer, Briten und Niederländer sowie Italiener, Franzosen und Belgier urlaubten verstärkt in Österreich. Bei Gästen aus den USA wurde ein Rückgang von 18,4 Prozent verzeichnet - sie stellen allerdings nur 1,5 Prozent der Gesamtnächtigungen.

Gewinner: Kärnten, Tirol und Burgenland
Nach Bundesländern waren Kärnten (plus 3,9 Prozent), Tirol (plus 3,8 Prozent) und Burgenland (plus 2 Prozent) die Gewinner der Sommersaison. Zuwächse verzeichneten auch Salzburg (plus 1,6 Prozent), Vorarlberg (plus 0,7 Prozent) und die Steiermark (plus 0,6 Prozent), während in Niederösterreich (minus 5,2 Prozent), Wien (minus 2,8 Prozent) und Oberösterreich (minus 2,2 Prozent) Nächtigungsrückgänge verzeichnet wurden. Knapp ein Drittel aller Touristen entschieden sich im Sommer 2002 für einen Urlaub in Tirol, je ein Sechstel für Kärnten und Salzburg.

Trend zum Qualitätstourismus
Der Trend zum Qualitätstourismus halte weiterhin an, sagte der Tourismusexperte der Statistik Austria, Peter Laimer. Ein deutliches Nächtigungsplus verzeichneten vor allem Vier- und Fünfsternbetriebe (plus 3,6 Prozent), bei den Privatquartieren gab es hingegen ein Nächtigungsminus von 4,5 Prozent. Die Ankünfte stiegen im Sommer 2002 um 1,3 Prozent auf 14,79 Millionen. Die mittlere Aufenthaltsdauer eines Gasts sank im Sommer auf 4,1 Tage, 1973 hatte sie noch 6,8 Tage betragen. Der Städtetourismus war im Sommer 2002 um 2,1 Prozent rückläufig.

Zahl der Betriebe sank um 1,6 Prozent
Die Zahl der Beherbergungsbetriebe (ohne Campingplätze) sank von Ende Mai 2001 auf Ende Mai 2002 um 1,6 Prozent auf 72.445 Betriebe, die Zahl der Betten stieg hingegen um 0,8 Prozent auf rund 1,09 Mio. Betten (ohne Zusatzbetten), hieß es am Montag bei einem gemeinsamen Pressegespräch des Tourismusstaatssekretariats, des Wirtschaftsforschungsinstituts und der Statistik Austria.

9.12.2002 13:21