Montag, 9. Dezember 2002

OPEC mit Ölpreis zufrieden: Erstmals auf 26,20 Dollar

  • Konferenz in Wien: Problemfelder Irak, Streiks in Venezuela

Die elf Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) können mit dem aktuellen Ölpreis eigentlich zufrieden sein. Ein Barrel (159 Liter) OPEC-Öl hat in der vergangenen Woche im Schnitt 25,72 Dollar gekostet - der Preis ist bis Montag dieser Woche auf 26,20 Dollar (26,0 Euro) geklettert, den höchsten Stand seit Ende Oktober. Damit liegt der Preis in der oberen Hälfte des angestrebten Preisbandes von 22 bis 28 Dollar. Doch müssen die Erdölminister während ihrer Sonderkonferenz an diesem Donnerstag in Wien viele Probleme erörtern, die in den nächsten Monaten das Ölkartell vor eine schwere Prüfung stellen dürften.

Da ist zunächst das Dauerproblem der letzten Jahre, der Irak Saddam Husseins. Die traditionellen Schwierigkeiten haben sich durch den drohenden Krieg drastisch verschärft. Schon heute machten diese Unwägbarkeiten 3 bis 5 Dollar Aufschlag beim aktuellen Ölpreis aus, kalkuliert die OPEC. Fällt das irakische Öl im Kriegsfall aus, müssten die OPEC-Staaten, allen voran Saudi-Arabien als mit Abstand größter OPEC-Produzent, für Ersatz sorgen, damit die Preise nicht explodieren.

Probleme: Irak und Venezuela
Die OPEC bestreitet rund 40 Prozent der weltweiten Ölförderung und besitzt damit nachhaltigen Einfluss auf die Rohölpreise sowie die Preise für Heizöl und Treibstoff. Das zweite aktuelle Problem liegt in Venezuela, wo die Ölindustrie durch die Dauerstreiks inzwischen mehr und mehr lahm gelegt wird. Das wurde inzwischen auch vom Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA, Ali Rodriguez, eingeräumt. Das Land hatte zuletzt mehr als drei Millionen Barrel am Tag gefördert und war der drittgrößte OPEC-Produzent und weltweit der fünftgrößte Erdölexporteur.

Die OPEC-Minister wollen in Wien auch die eigene Überproduktion ansprechen. Offiziell fördert das Kartell täglich 21,7 Millionen Barrel. Doch tatsächlich sollen nach Schätzungen zwischen 2 und 3 Mio. Barrel mehr als verabredet ans Tageslicht gebracht werden. Im November soll die Überproduktion laut EIA 2,7 Mio. Fass täglich betragen haben. "Der Markt ist derzeit überversorgt", hat der OPEC- Generalsekretär Alvaro Silva Calderon vor wenigen Tagen behauptet. Daher sei an eine weitere Öffnung der Ölhähne nicht zu denken.

Saudi-Arabien will Förderung drosseln
Saudi-Arabiens Ölminister Ali Naimi sagte am Dienstag zwar, die OPEC benötige eine Drosselung ihrer Förderung um 1,5 bis 2 Mio. Fass pro Tag. Darüber hinaus sollte die OPEC jedoch ihre Förderquote mit Wirkung per 1. Jänner 2003 von derzeit 21,7 Mio. Barrel um 1 bis 1,5 Mio. Barrel täglich erhöhen. Die meisten OPEC-Mitglieder stimmten darin überein, dass der Förder-Plafond angehoben werden sollte, so Ali Naimi laut Dow Jones im Vorfeld des Ölministertreffens in Wien. Algerien fordert eine Anhebung seiner Förderquote von derzeit knapp 0,7 Mio. auf dann 1,1 Mio. Barrel, berichtete dpa am Dienstag.

Sorge um Weltwirtschaft
Die größte Sorge der Mitglieder gelte jedoch der Weltwirtschaft, so Ali Naimi. Sollte sich diese nicht verbessern, werde dies die Erwartungen einer wachsenden Ölnachfrage tangieren. Die Streiks in Venezuela würden ihn nicht beunruhigen, fügte der Ölminister von Saudi-Arabien hinzu. Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez soll übrigens nicht am dieswöchigen OPEC-Treffen in Wien teilnehmen, hieß es am Dienstag.

OPEC-Preis wieder gestiegen
Mit 26,20 Dollar (26 Euro) pro Fass am Montag dieser Woche erreichte der OPEC-Korbpreis den höchsten Stand seit dem 26. Oktober. Danach sank der Preis am 5. November unter 25 Dollar und bereits am 6. November sogar unter 24 Dollar je Barrel. Den tiefsten Stand der vergangenen Wochen markierte er mit 22,86 Dollar am 14. November. Seither stieg er wieder kontinuierlich an: ab 27. November auf mehr als 25 Dollar, am 3. Dezember erstmals wieder knapp über 26 Dollar und nun sogar auf 26,20 Dollar (nach 25,88 Dollar am Freitag).

9.12.2002 11:20