Gerngross schleppt weiter Milliarden-Verlust mit
- Immobilienwert verhindert eine Überschuldung
- Kaufhaus Tyrol wird in Originalfassung revitalisiert

Der zur Palmers-Gruppe gehörende Gerngross-Konzern, der seit dem Rückzug aus dem Handelsgeschäft mehr oder weniger nur noch als Immobilienverwalter und Einkaufszentrenbetreiber fungiert, schleppt weiter einen Riesenverlust von knapp 1,3 Mrd. Schilling aus der Vergangenheit in der Bilanz mit. "Der Verlustvortrag tut uns nicht weh, weil der Wert der Immobilien viel höher liegt", hieß es aus dem Unternehmen.
In der vor kurzem in der "Wiener Zeitung" veröffentlichten (Schilling-)Bilanz des Jahres 2000 wird für das Rumpfgeschäftsjahr 1. Februar bis 31. Dezember 2000 bei einem Umsatz der 5 Häuser (Steffl, Gerngross Mariahilfer Straße und Floridsdorf, Kaufhaus Tyrol, Passage City Center Linz) von 810,7 Mio. S (knapp 59 Mill. Euro) ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 33,2 Mio. S ausgewiesen. 1999 war das EGT durch den Verkauf der Hälfte des Passage Kaufhauses in Linz an die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich auf 662,4 Mio. S gestiegen. Die Umstellung des Geschäftsjahres wird mit dem Ende des Handelsgeschäfts ab 2001 erklärt.
Mit dem kumulierten Verlustvortrag von 1,265 Mrd. S aus dem Jahr 1999 sowie Rückstellungen für den Ausstieg aus dem Handelsgeschäfts entstand allerdings 2000 unter dem Strich ein Bilanzverlust von 1,266 Mrd. S. "Eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechts liegt auf Grund stiller Reserven in den Liegenschaften und einer positiven Fortführungsprognose nicht vor", heißt es in den Erläuterungen zur Bilanz der Kaufhaus AG zum negativen Eigenkapital, das sich 2000 auf 946,7 Mio. S (inkl. Grundkapital: 300 Mio. S) belief. Geringfügig von 2,216 Mrd. S auf 2,153 Mrd. S abgebaut wurden die Bankverbindlichkeiten.
Umbau in Innsbruck zieht sich
Schleppend entwickelt sich weiter der Umbau des Kaufhauses Tyrol. Das Kaufhaus wurde Anfang 2002 geschlossen, um es großräumig umzubauen und aufzustocken. Allein: die Stadt Innsbruck machte Gerngross bzw. Palmers einen Strich durch die Rechnung und verweigerte die Baugenehmigung. Mittlerweile wird für die Innsbrucker Innenstadt außerdem ein Bebauungsplan ausgearbeitet, der laut dem Palmers-Projektverantwortlichen Andreas Liebsch "einer Bausperre gleich kommt". Jetzt zieht der Konzern die Konsequenzen.
"Vienna City Center" umstritten
"Wir werden das Haus in der jetzigen Kubatur mit Hotel und Tiefgarage reaktivieren" betonte Liebsch im Gespräch mit der APA. Der abgeschlankte Umbau soll in 8 Monaten fertig sein und rund 7 Mill. Euro kosten, etwa ein Drittel der ursprünglich veranschlagten Summe. Nach dem Umbau soll auf den drei Etagen mit rund 5.000 m2 ein Großmieter einziehen, dahinter würde das Hotel mit 115 Zimmern reaktiviert. Liebsch rechnet bei dieser "Kleinvariante" mit keinem Widerstand von Seiten der Stadt. Sehr wohl Widerstand gibt es weiter gegen die geplanten Ausbau des Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße zum größten innerstädtisches Einkaufszentrum Europas (Vienna City Center). Nach Angaben von Liebsch wurde aber auch hier die Planung modifiziert.
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