Montag, 9. Dezember 2002

Schweizer Cuche gewinnt Super G vor Büchel (LIE)

  • Hannes Trinkl wird Dritter, Eberharter wird nur 15.
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Ohne Sieg ist für die erfolgsverwöhnten ÖSV-Herren am Sonntag die Nordamerika-Tournee zu Ende gegangen. Stephan Eberharter wurde im schwierigen Super G von Beaver Creek nach einem völlig verpatzten Lauf nur 15., nahm's aber locker! Der Sieg ging in 1:18,83 an den Schweizer Didier Cuche, 0,08 Sekunden vor dem Liechtensteiner Marco Büchel. Abfahrts-Weltmeister Hannes Trinkl, mit 34 Jahren ältester Weltcup-Starter, rettet mit nur einer Zehntel Rückstand auf Sieger Cuche als Dritter die Ehre des ÖSV, mit ihm und Hans Knauß (9.) kamen aber nur zwei ÖSV-Läufer in die Top-Ten.

Denn sonst ging für Österreich im letzten Rennen der Amerika-Weltcup-Serie fast alles schief. Christoph Gruber, der hier noch vor zwei Jahren Österreichs Ehre als Zweiter gerettet hatte, verlor bei seinem wilden Ritt einen Stock und wurde 21. Josef Strobl blieb wie schon in der Abfahrt mit einem Arm an einer Torstange hängen und stürzte ebenso spektakulär wie Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl, der nach toller Zwischenzeit im Steilhang den linken Ski verlor und mit fast 100 km/h ins Netz donnerte. Beide blieben unverletzt, nicht aber ohne blaue Flecken. Auch Michael Walchhofer, am Vortag noch Abfahrts-Zweiter hinter Eberharter, schied in seinem ersten Weltcup-Super-G aus.

Eberharter mit verpatztem Lauf
Auch Eberharter verspielte seine Chancen auf den 21. Weltcup-Sieg schon ganz oben mit einem groben Fehler bei der Steilhang-Einfahrt. "Da bin ich ja fast in die andere Richtung abgebogen. Heute ist alles schief gegangen, es war ein Lauf mit Fehlern von oben bis unten", sagte der Tiroler, der von den letzten sieben Super G vier gewonnen hatte. "Ich habe aber immer gesagt, dass niemand perfekt ist. So etwas passiert eben", meinte der bisherige Saison-Triumphator.

Cuche euphorisch
Die hohe Nummer oder der stark drehende Kurs allein kann es jedenfalls nicht gewesen sein, denn Cuche startete mit 29 und damit unmittelbar vor Eberharter. Der Schweizer machte aber im Gegensatz zum Tiroler im Finish kaum Fehler und im Finish über eine halbe Sekunde wett, kam so zu seinem vierten Weltcup-Sieg. "Nach dem Skiwechsel war ich unsicher. Auch heute habe ich mich in den ersten Toren gar nicht wohl gefühlt, dann aber alles riskiert. Die Freude ist unbeschreiblich!"

Tolle Amerika-Bilanz für ÖSV
ÖSV-Herrenchef Toni Giger gab zu: "Dem Cuche muss man wirklich gratulieren. Bei uns hingegen haben heute einige sicher einige zu viel Risiko genommen. Aber mit der neuen Startregel ist es sicher schwieriger geworden, besonders bei einem so Riesentorlauf-ähnlichen Super G wie heute. Respekt trotzdem vor Steff, mit so einem Fehler bist normalerweise nirgends." Die Amerika-Bilanz war mit vier Siegen in sechs Rennen natürlich trotzdem extrem positiv. Giger: "Es war sensationell. In jedem Renen auf dem Stockerl. Hätte man mir das vorher angeboten, hätte ich es sofort genommen."

Oldboy Trinkl happy
Als Einziger wirklich strahlen durfte an diesem Tag Hannes Trinkl. "Ich bin total zufrieden. Ich wollte in die ersten zehn, dass ich so weit vorne bin, hätte ich nicht gedacht", gab sich der Oldboy "happy." "Es war ein wirklich schwieriger Super G. Einmal rein legen und du bist weg", sagte der Oberösterreicher, der dafür verantwortlich zeichnete, dass trotz allem eine einmalige Serie hielt. Seit 1997 war in jedem Super G mindestens ein Österreicher auf dem Podest.

Ende der internen Qualifikationen?
Zweitbester Österreicher war damit Hans Knauß als Neunter und das war bezeichnend genug. "Mir hat total die Spritzigkeit gefehlt, hatte schon am Start keinen Biss mehr", sagte der Steirer und will nun auch Konsequenzen bezüglich der ÖSV-internen Abfahrts-Qualifikation. "Das ist keine Kritik, denn wir sitzen alle in einem Boot. Aber so machen wir uns gegenseitig kaputt. Ich bin bis zum Super G schon fast drei Rennen gefahren." Giger weiß um die Problematik, will aber erst in den kommenden Tagen entscheiden, ob in Val d'Isere wieder Qualifikation gefahren wird. "Man wird sehen, wer anreist und wer sich auf den Riesentorlauf vorbereitet."

Die Ski-Asse rasten unmittelbar nach dem Super G zum Flughafen Denver, um noch Montag zurück in Europa sein zu können, schon Mittwoch ist Anreise in Val d'Isere. "Ich freu mich echt auf daheim, fünf Wochen in Amerika sind schon verdammt lang", so Eberharter.

Herren-Super-G in Beaver Creek:
1.Didier CucheSUI1:18,83
2.Marco BüchelLIE1:18,91+0,08
3.Hannes TrinklAUT1:18,93+0,10
4.Didier DefagoSUI1:19,02+0,19
5.Ambrosi HoffmannSUI1:19,11+0,28
6.Bode MillerUSA1:19,12+0,29
7.Kjetil-Andre AamodtNOR1:19,31+0,48
8.Bjarne SolbakkenNOR1:19,52+0,69
9.Hans KnaußAUT1:19,54+0,71
10.Tobias GrünenfelderSUI1:19,65+0,82
11.Fredrik NybergSWE1:19,81+0,98
12.Andreas SchiffererAUT1:19,93+1,10
13.Thomas VonnUSA1:19,98+1,15
14.Franco CavegnSUI1:19,99+1,16
15.Kenneth SivertsenNOR1:20,09+1,26
.Stephan EberharterAUT1:20,09+1,26
17.Lasse KjusNOR1:20,19+1,36
18.Patrik JärbynSWE1:20,20+1,37
19.Christophe SaioniFRA1:20,27+1,44
20.Peter FillITA1:20,32+1,49
21.Jernej KoblarSLO1:20,33+1,50
22.Christoph GruberAUT1:20,35+1,52
.Erik SchlopyUSA1:20,35+1,52
24.Sebastien FournierFRA1:20,37+1,54
25.Werner FranzAUT1:20,68+1,85
26.Jakub FialaUSA1:20,79+1,96
27.Audun GrönvoldNOR1:20,90+2,07
28.Andrej JermanSLO1:21,03+2,20
29.Max RaufferGER1:21,06+2,23
30.Konrad HariSUI1:21,12+2,29

Ausgeschieden u.a.: Pepi Strobl, Fritz Strobl und Michael Walchhofer (alle AUT), Bruno Kernen (SUI), Daron Rahlves (USA)

9.12.2002 10:07