"Familien-Unternehmen" Jukic weiter in Gewinnzone
- Vater Zeljko mit wesentlichem Anteil an Mirnas Erfolg
- Zusammenarbeit nach Olympia fraglich
Die Medaillen-Fabrik Jukic hat wieder zugeschlagen. Tochter Mirna holte sich am Sonntag bei der 6. Kurzbahn-EM in Riesa mit Silber über 100 m Brust ihr schon achtes Edelmetall innerhalb eines Jahres, Vater Zeljko feierte wie immer als ihr Trainer am Beckenrand mit. Der Schwimmerin Jukic gehört natürlich der Löwenanteil an dieser Erfolgslawine, doch ohne Coach Jukic hätte sie sich sportlich nicht in dieser beeindruckenden Rasanz entwickelt. Der bescheidene Papa will seinen Anteil freilich nicht überbewerten.
Er selbst war in seiner Jugend Basketballer in Vukovar, doch nebenbei frönte er auch dem Schwimmen: "Ich bin nicht Brust wie Mirna, sondern Rücken und Kraul geschwommen. Oft noch nach dem Basketball-Training eine Stunde", erinnert er sich. "Aber das ging nur im Sommer, im Winter war der Pool nur zwei Jahre lang mit einem Ballon überdacht, dann ist der zerplatzt." Die Trainingsbedingungen waren für ihn damals also nicht die besten, er beschränkte sich deshalb auch auf Teilnahmen bei regionalen Schwimm-Events.
Der Wechsel ins Trainergeschäft folgte in Zagreb nach der Flucht aus den Kriegswirren, Jukic leitete bei einem Basketball-Klub die Übungsstunden der Kinder. "Aber der Verein hatte kein Geld für mich und da hab' ich zu meiner Frau gesagt, da trainier' ich doch besser meine eigenen Kinder." Damit war der endgültige Sprung ins Schwimm-Lager beschlossen, Mirna und später auch ihr um drei Jahre jüngerer Bruder Dinko kamen auch sportlich unter die Fittiche des Vaters.
Der Rest ist bekannt. Vor drei Jahren folgte der Umzug nach Wien und der unaufhaltsame Aufschwung begann. Für Vater Zeljko basieren die Erfolge seiner Tochter aber nur zu zehn Prozent auf Talent. "Zu 90 Prozent ist das Arbeit. Aber mit Mirna ist das nicht schwer. Sie ist diszipliniert und perfektionistisch. Sie will einfach alles perfekt machen, ob in der Schule, beim Schwimmen oder daheim. Mirna hat aber einen positiven, nicht krankhaften Ehrgeiz", erklärt Jukic senior das Erfolgsgeheimnis des älteren seiner beiden Kinder.
Die Zielstrebigkeit der Kurzbahn-WM-Dritten geht sogar so weit, dass sie auf den Flügen zu den Weltcup-Destinationen im Flugzeug gelernt hat. Durch diese Einstellung bleibt sie trotz vieler wegen ihrer Wettkämpfe anfallenden Fehltage im Sportgymnasium Brigittenau Vorzugsschülerin. Derzeit besucht die 16-Jährige die siebente Klasse, in der neunten Klasse wird maturiert. Vater Jukic will aber erreichen, dass sein intelligenter Sprössling die schulische Reifeprüfung schon ein Jahr früher machen darf.
Das würde sich terminlich auch hervorragend damit vertragen, dass in der Familie Jukic sportlich derzeit bis Olympia 2004 geplant wird. Die Kurzbahn-EM vier Monate danach ist natürlich auch ein Fixpunkt im Wettkampf-Kalender der Jukic', aber nach den Spielen in Athen bzw. nach der Matura muss Mirna auch eine berufliche Weichenstellung vornehmen. Der Vater will sie da nicht beeinflussen: "Ich kann ihr da nur eine Hilfe geben, entscheiden muss sie. Wenn sie aber nicht in Österreich studieren will, kann ich sie nicht mehr trainieren."
Schon allein deshalb, weil der dann noch schulpflichtige Gymnasiast Dinko mit der Betreuung des Vaters in die Fußstapfen seiner Schwester treten kann. "Momentan hat er noch sehr viel Unsinn im Kopf, erst Ende Oktober hat er sich aus Leichtsinn den Arm gebrochen. Der Arzt meint aber, es heilt sehr gut", sagt Zeljko. Aber natürlich möchte Österreichs "Trainer des Jahres" seine beiden Kinder längerfristig auf ihrem sportlichen Weg betreuen. Das würde in erster Linie der Familie, aber auch Österreichs Sport zu Gute kommen.
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