Holyfield will zum fünften Mal auf den WM-Thron
- Am Samstag in Atlanta gegen Chris Byrd um IBF-Titel
- Don King ist auf alle Fälle Sieger
Der große Gewinner steht schon vor dem Box-Duell fest. Es ist weder Evander Holyfield noch Chris Byrd, die in der Nacht zum Sonntag in Atlantic City um den vakanten Weltmeistertitel der Internationalen Boxing Federation (IBF) kämpfen werden. Es ist einmal mehr Don King. Als ihr gemeinsamer Promotor wird er unabhängig vom Ausgang neben WBA-Champion John Ruiz wieder einen zweiten Champion in der profitträchtigsten Gewichtsklasse unter seiner Kontrolle haben.
Um den Einfluss in der "Königsklasse" nicht zu verlieren, nachdem die Klitschko-Brüder einen Wechsel zu ihm ausgeschlagen haben, hatte King dem britischen IBF-Titelhalter Lennox Lewis den WM-Gürtel für eine Million Dollar plus Geländewagen abgekauft. Und wähnt sich wieder als Herrscher des Box-Business.
King ignoriert die Klitschkos
Kings "Geldbeschaffungs-Plan" sieht vor, dass der Sieger aus Holyfield gegen Byrd auf den Gewinner des Duells Ruiz contra Roy Jones trifft, dass für den 1. März in Las Vegas terminiert ist. Der finale Triumphator des Turniers werde Lewis herausfordern und den "Superchampion" ermitteln, tönte King - und ignorierte die Klitschko-Brüder dabei vollkommen. Dass Witali im Frühjahr gegen Lewis um dessen WBC-Titel boxt, interessiert den Demagogen aus Florida ebenso wenig wie die Klarstellung von Lewis: "King ist weder mein Sprecher noch Promotor. Ich habe mit ihm nichts zu tun", sagte der 37-Jährige, der allerdings in der Boardwalk Hall von Atlantic City für Kings TV-Produktionsfirma "King Vision" den Kampf kommentieren wird.
Holyfield will Geschichte schreiben
Dem 40-jährigen Holyfield (38 Siege/5 Niederlagen/2 Unentschieden) und seinem acht Jahre jüngeren Landsmann aus Flint in Michigan (35/2) ist das Geschäftsgebaren ihres umtriebigen Promotors egal. Sie sind froh, wieder um eine WM-Schärpe boxen zu können. Der mit einer Börse von fünf Millionen entlohnte Holyfield möchte Geschichte schreiben, indem er als erster Schwergewichtler zum fünften Mal den WM-Thron besteigt. Nachdem sich "The Real Deal" 1990 erstmals ein Championat gesichert hatte, verlor er gegen Riddick Bowe (1992), Michael Moorer (1994/alle USA) und Lennox Lewis (1999), wobei er den Titel stets zurückeroberte. Seine letzte WM-Niederlage bezog er 2001 gegen Ruiz.
Holyfield (99,8 kg) ist geradezu manisch von dem Wunsch beseelt, als unbestrittener Weltmeister mit den drei wichtigsten Titeln WBC, WBA und IBF in die Boxer-Rente zu gehen. Auch wenn er gegen Rechtsausleger Byrd (97,1 kg), der als 7:5 Favorit gilt, verlieren sollte, würde er seine Karriere nicht beenden. "Ich kämpfe nicht mehr für Geld oder mein Ego. Wäre das so, hätte ich nach den Tyson-Kämpfen aufgehört, für die ich über 35 Millionen kassierte", sagte Holyfield, der für seine neun Kinder einen monatlichen Unterhalt von etwa 20.000 Dollar zahlen muss. Der "Warrior" aus Atlanta kämpft, "damit mich die Menschen als besten Boxer meiner Zeit in Erinnerung behalten".
Byrd siegessicher
Davon träumt auch Byrd (Börse 2,15 Mio Dollar), der wegen seines unorthodoxen Stils schwer auszuboxen ist, wie Witali und Wladimir Klitschko bestätigen können. Vor zwei Jahren nahm er Witali, der nach Punkten führend wegen einer Schulterverletzung vor der zehnten Runde aufgab, den WBO-Titel ab. Von Wladimir jedoch wurde Byrd postwendend durch einen Punkterfolg über 12 Runden entthront. "Evander ist durch zu viele Kriege gegangen. Seine Reflexe sind lange nicht mehr so gut wie noch vor fünf, sechs Jahren. Der Sieger kann nur ich sein", versicherte Byrd, der von seinem Vater Joe trainiert und von seiner Mutter Rose in der Ringecke betreut wird. Don King wäre Holyfield als Champion jedoch lieber, denn dessen Name garantiere mehr Profit.
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