Donnerstag, 12. Dezember 2002

Podoprigora ist wieder zurück

  • Silber auch für Jukic bei Kurzbahn-EM über 100 m Brust
  • Judith Draxler über 50 m Kraul Siebente

Österreich fährt mit drei Medaillen von den Kurzbahn-Schwimm-Europameisterschaften in Riesa nach Hause: Gold (200 Meter Brust) und Silber (100 m Brust) von Mirna Jukic sowie Silber (200 m Brust) von Maxim Podoprigora. Judith Draxler, die letzte österreichische Teilnehmerin, belegte Sonntag Nachmittag im Finale über 50 Meter Kraul mit 25,27 Sekunden den siebenten Platz. Der Titel ging in 24,20 Sekunden an die Britin Alison Sheppard.

Maxim Podoprigora hat den Weg zurück an die internationale Spitze geschafft. Vor einem Jahr hatte der 24-Jährige das erste österreichische Herren-EM-Kurzbahn-Gold geholt, nachdem er schon davor für zwei weitere Premieren gesorgt hatte. Bronze 2000 in Helsinki und Silber 2001 in Fukuoka bedeuteten die erste EM-Herren-Medaille bzw. das erste WM-Edelmetall Österreichs auf der Langbahn.

Schaffenspause beendet
Bei der Kurzbahn-EM in Riesa beendete er am Sonntag seine "Schaffenspause", er holte Silber und zwar wieder über 200 m Brust. Diese Erfolge sind ein Produkt der unglaublichen Willensstärke des mit 13 Jahren nach Wien gekommenen Ausnahmesportlers. Mit Hilfe dieser Fähigkeit war er etwa in Antwerpen zum Titel geschwommen, obwohl er durch eine Verkühlung im Vorfeld gehandicapt an den Start gegangen war und schon mit einer Absage spekuliert hatte. Diese geistige Kraft gepaart mit einem ungemein großen Selbstvertrauen sind wohl das Erfolgsgeheimnis der mittlerweile fixen Größe im internationalen Schwimmsport.

Noch viele Ziele
Medaillen hat er schon reichlich, die Ziele gehen dem Dolmetsch-Studenten freilich noch lange nicht aus, auch wenn er sich zumindest vorerst weiter auf die 200 m Brust beschränken will. "Ich möchte alle Titel gewinnen und wenn geht mit Weltrekord. Wenn ich das geschafft habe, kann ich mich auf die 100 m konzentrieren", lacht der gebürtige Ukrainer. Den Abschied von der Brustlage hält er eher für ausgeschlossen. Am ehesten kann er sich noch einen Wechsel auf die Lagen vorstellen. "Aber eigentlich bin ich über Rücken zu schwach."

Auf Brustschwimmen spezialisieren
Der Perfektionist will sich also vorrangig über Brust etablieren. Dabei ist Podoprigora gar kein typischer Vertreter dieser Stilart. "Ich bin derzeit der einzige Top-Brustschwimmer, der auf 200 m spezialisiert ist. Außerdem sind bei den meisten Brustschwimmern die Beine stärker als die Arme. Bei mir ist es umgekehrt. Es gibt sonst niemanden, der so wie ich schwimmt", erzählt der ASV-Wien-Athlet nicht ohne Stolz. Selbst Don Talbot, ehemaliger Coach von Superstar Ian Thorpe, hat Podoprigoras Technik vom Beckenrand aus studiert.

Technik verbessern
Der verbissene Trainierer sieht das Brustschwimmen nicht nur als Sport, sondern macht daraus eine Kunst. Schritt für Schritt versucht er sich zur optimalen Technik, zum optimalen Lauf hinzuarbeiten. "Aber den wird es nie geben, es gibt zu viele Bremspunkte. Man muss versuchen, noch flacher im Wasser zu sein, die Welle zu verlängern. Brust ist eben sehr aufwendig, aber jeder hat seine eigene Technik. Auch wenn die Grundlagen überall gleich sind, die Technik muss man an die Voraussetzungen anpassen", spricht Maxim aus der Schule.

Podo mit Klasse-Trainer
Diese trägt die Handschrift von Andrzej Szarzynski. Der gebürtige Pole trainiert Podoprigora schon seit Jahren und machte ihn schwimmerisch zu dem, was er heute ist. Podoprigora kann nicht ohne den Klasse-Trainer, braucht dessen führende Hand. Als Szarzynski 1999 mit Markus Rogan bei der Jugend-EM in Moskau war, ist Max in Wien in eineinhalb Wochen auf Teufel komm' raus geschwommen, um danach übertrainiert die ganze Saison abschreiben zu können. "Es muss eben immer wer da sein, der mich einbremst."

Große Pläne
Das wird er nach der Heimkehr aus Riesa auch nötig haben, der erfolgreichste österreichische Schwimmer der Geschichte hat nämlich schon wieder große Pläne. "Eigentlich denk' ich ja schon lange an die WM im nächsten Jahr in Barcelona und Olympia ist mir natürlich noch wichtiger." Dafür wird Podoprigora u.a. wieder gegen den Widerstand eines um die Hüfte gebundenen Gummiseils schwimmen, um noch mehr Kraft zu bekommen. Im vergangenen Sommer musste er dieses Training drei Mal abbrechen - das Seil war gerissen.

200 m Brust Herren:
1.Davide RummoloITA2:07,70 Minuten
2.Maxim PodoprigoraAUT2:09,87
3.Richard BodorHUN2:10,62
4.Andrew BreeIRL2:10,70
5.Jakob Johann SveinssonISL2:11,19
6.Kamil KasprowiczGER2:11,53
7.Thijs Van ValkengoedNED2:12,63
8.Anders WoldNOR2:14,12

100 m Brust Damen:
1.Sarah PoeweGER1:06,67 Minuten
2.Mirna JukicAUT1:07,11 (ÖR)
3.Agnes KovacsHUN1:07,97
4.Jelena BogomasowaRUS1:08,00
5.Madelon BaansNED1:08,28
6.Petra ChocovaCZE1:08,84
7.Majken ThorupDEN1:08,93
8.Natalja HissamutdinowaEST1:09,51

50 m Kraul Damen:
1.Alison SheppardGBR24,20 Sek.
2.Alexandra HerasimenjaBLR24,74
3.Anna-Karin KamerlingSWE24,98
4.Chantal GrootNED25,06
5.Dorothea BrandtGER25,14
6.Hanna-Maria SeppalaFIN25,25
7.Judith DraxlerAUT25,27
8.Suze ValenNED25,29

12.12.2002 09:48