Mittwoch, 11. Dezember 2002

Barcelona: Stadionsperre des Nou Camp

Das Schweinchen hat dem FC Barcelona kein Glück gebracht. Im Gegenteil: Das Spanferkel, dessen Kopf beim Derby zwischen "Barca" und Real Madrid (0:0) auf das Spielfeld geworfen worden war, brachte den Katalanen eine Platzsperre für zwei Punktspiele ein. Der Wettbewerbsausschuss des spanischen Fußballverbandes RFEF ahndete damit die Zwischenfälle bei der Skandalpartie am 23. November im Camp-Nou-Stadion. Er verhängte gegen den Klub zudem eine Geldstrafe von 4.000 Euro und leitete ein Verfahren gegen Vereinspräsident Joan Gaspart ein.

Das Spiel zwischen den Erzrivalen hatte für 16 Minuten unterbrochen werden müssen, weil der von "Barca" zu Real gewechselte Luis Figo aus dem Publikum mit einem Hagel von Gegenständen eingedeckt wurde. Als der Portugiese einen Eckball ausführen wollte, flogen ihm Plastikflaschen, Golfbälle, ein Handy, ein leeres Whisky-Fläschchen und der ominöse Schweinskopf um die Ohren.

Nach den Ermittlungen der Polizei waren es nicht nur die radikalen Fans der "Boixos Nois", die mit den Wurfgeschossen ihre Wut auf das einstige Idol abreagierten. Die meisten Gegenstände kamen nicht aus der Fankurve geflogen, sondern von den teuren Plätzen auf der Haupttribüne. Die Ermittler machten unter den Werfern sogar eine 60-jährige Senyora ausfindig.

Die Stadionsperre gilt in Spanien als ein historischer Beschluss. Das Camp-Nou-Stadion ist mit fast 100.000 Plätzen nicht nur das größte des Landes, sondern auch die einzige Arena der Primera Division, die bisher noch nie gesperrt worden war. Der Camp Nou ("Neues Feld") galt lange als eine vorbildliche Fußballarena. Die Zuschauer sind weder durch Fangnetze noch durch Gräben oder Stahlgitter vom Spielfeld getrennt. Erst in letzter Zeit gab es eine Serie von Zwischenfällen, aber der Verein kam stets mit einer Geldstrafe davon.

"Seit Gaspart 2000 Clubchef wurde, ist bei Barca nichts mehr wie es war", schreibt die Zeitung "El Pais". "Der Klub gewinnt keine Titel mehr, die Finanzen sind ruiniert, und das Stadion verliert seinen Modellcharakter." Gaspart droht nun eine Amtssperre von zwei Monaten bis fünf Jahren. Er hatte indirekt ein gewisses Verständnis für das Werfen der Gegenstände geäußert. Barcelona kündigte Berufung an.

11.12.2002 11:44