Dienstag, 10. Dezember 2002

Zahrl hat das Zeug zum internationalen Durchbruch

  • Delfin-Spezialistin nun auch auf Kraul-Langdistanzen sehr stark
  • Vier Bewerbe, bis zu acht Starts bei Kurzbahn-EM

Die Stars im österreichischen Schwimmsport sind die Europameister Mirna Jukic und Maxim Podoprigora sowie der Vize-Weltmeister und dreifache EM-Medaillen-Gewinner Markus Rogan. Bei den 10. Kurzbahn-Europameisterschaften von Donnerstag bis Sonntag in Riesa könnte aber auch Petra Zahrl höher auf die Erfolgsleiter steigen. Die 21-Jährige startet bei den Titelkämpfen in vier Bewerben und hat durchwegs zumindest gute Final-Chancen. Auf Grund der zuletzt gezeigten Leistungen wäre sogar eine Medaille keine Überraschung.

Eine solche in Bronze ergatterte die Wienerin über 200 m Delfin bei der Kurzbahn-EM 2000 in Valencia. Doch danach ging es sportlich bergab, statt weiter bergauf. Bei der WM 2001 in Fukuoka erreichte sie über ihre Paradestrecke immerhin noch das Semifinale bzw. Rang zwölf, doch das war das bisher letzte international bedeutende sportliche Lebenszeichen von Zahrl. Bei der Kurzbahn-EM in Antwerpen musste sie wegen der HSZ-Grundausbildung passen, bei der Kurzbahn-WM in Moskau und der EM in Berlin wurde sie unter ihrem Wert geschlagen.

Von hartnäckigem Virus-Infekt gestoppt
In Russland schlug sich eine nicht optimale Ernährung Zahrls in den Ergebnislisten nieder, nach in Folge wieder gefundenem Ehrgeiz wurde sie in Deutschland von einem hartnäckigen Virus-Infekt gestoppt. Trainer Kurt Dittrich, 1980 in Moskau Olympia-Starter, musste dem Leistungseinbruch tatenlos zusehen: "Wir haben für Berlin genau so gut trainiert wie jetzt für Riesa. Petra hätte schon dort um die Medaillen mitschwimmen können." Trotz der Erkrankung verpasste Zahrl die Final-Teilnahme nur um einen Platz.

Bessere Voraussetzungen
Danach folgte ein vom Arzt verordnetes vierwöchiges Trainingsverbot und der große Schnitt. Dittrich wechselte mit Zahrl und seinen sonstigen Schützlingen den Verein, von Donau Wien ging es zum Jukic-Klub SC Austria Wien. "Wir haben jetzt viel bessere Voraussetzungen, weil wirklich die Leistung im Vordergrund steht", erklärt der Coach. Ab da trainierte Zahrl rund sieben Kilometer pro Einheit bzw. 60 bis 70 Kilometer in der Woche. Ihr Mammut-Programm in Riesa ist nur mit einer entsprechenden Vorbereitung zu bewältigen.

In vier Tagen acht Starts möglich
Für die Studentin ist das Antreten über 100 und 200 m Delfin sowie über 400 und 800 m Kraul freilich kein Problem. "Der große Trainingsumfang ist für mich nicht so ungewöhnlich. Ich mach' im Winter immer mehr", spielt Zahrl die Intensität ihres EM-Programms herunter. Doch kommt sie (was möglich scheint) in alle Finali, schwimmt die Olympia-Teilnehmerin 2000 in vier Tagen acht Mal - am Samstag wäre das gleich vier Mal.

Lange Kraul-Distanzen forciert
Für Dittrich ist freilich entscheidend, wie die 200 m Delfin am Donnerstag verlaufen. "Da kann sie im Optimalfall eine Medaille machen. Wenn das klappt, kann es auf den anderen Strecken gleich viel einfacher gehen." In diesem Fall setzt der Betreuer speziell auf die langen Kraul-Distanzen. "Ich hab' sie bewusst forciert, damit Petra ein bisschen Abwechslung hat, im Kopf freier wird und sich nicht nur auf Delfin konzentrieren muss." Noch in Berlin hatte Zahrl nur die 200 m Delfin im Programm.

Über 800 Meter Medaille möglich
Beim Turnier der Nationen vor einer guten Woche hatte sich Zahrl über beide Kraul-Strecken mit österreichischen Rekorden jeweils in die Saison-Weltspitze geschwommen. "Steigert sie sich über die 800 noch um drei, vier Sekunden, ist auch da eine Medaille möglich", vermutet Dittrich. Der Trainingsplan ist jedenfalls auf eine weitere Verbesserung der Bestzeiten in Riesa ausgelegt. Falls das klappt, könnte Zahrl den internationalen Durchbruch schaffen.

10.12.2002 09:55