Chavez-Gegner in Venezuela weiten Proteste aus
- OAS, USA und Russland rufen zu Mäßigung auf

Die Gegner des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez haben für Mittwoch zu einer Ausweitung der Kundgebungen aufgerufen, mit denen sie Neuwahlen erzwingen wollen. Dieses Mal soll der Straßenverkehr in der Hauptstadt Caracas lahm gelegt werden. Trotz der anhaltenden Krise bei einem ihrer wichtigsten Öllieferanten haben sich die Ölvorräte der USA jüngsten Daten zufolge nur wenig verringert. Daraufhin gaben die Ölpreise wieder etwas nach.
Die USA stellten sich hinter die Vermittlungsbemühungen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Venezuela ist der fünftgrößte Ölproduzent der Welt, doch ist die Ölausfuhr derzeit praktisch gestoppt.
Hauptstadt soll lahmgelegt werden
Die Anführer der seit dem 2. Dezember aktiven Oppositionsbewegung "Wahlen jetzt" riefen dazu auf, die Straßen der Hauptstadt zu blockieren. Geplant waren zwei Demonstrationszüge durch Caracas, das ohnehin für seine Staus berüchtigt ist. Am Dienstag hatten Armee und Polizei in der Stadt eine Straßenschlacht der Gegner und Gefolgsleute des Präsidenten am Mausoleum des südamerikanischen Freiheitshelden Simon Bolivar verhindert. Am Dienstag, dem 172. Todestag Bolivars, standen sich am Bolivar-Mausoleum die Gegner und Gefolgsleute des Präsidenten zu Tausenden gegenüber. 500 Soldaten und Polizisten verhinderten eine Straßenschlacht.
Die Gegner des Präsidenten, eine Allianz aus Gewerkschaften, Oppositionsparteien und Teilen der Wirtschaft, werfen Chavez vor, das Land mit Sympathien für das sozialistische Kuba in den Ruin zu treiben. Im April hatten Teile des Militärs versucht, ihn zu stürzen.
Putin ruft zu Dialog auf
Der russische Präsident Wladimir Putin hat seinen durch den Generalstreik bedrängten Amtskollegen Chavez zum friedlichen Dialog mit seinen Gegnern aufgerufen. Das teilte der Kreml in Moskau am Mittwoch nach einem Telefongespräch der Staatschefs mit. Chavez, der den Angaben nach am Dienstagabend in Moskau angerufen hatte, sagte, dass nur ein normales Funktionieren der venezolanischen Wirtschaft einen stabilen Ölpreis sichern könne. "Wladimir Putin äußerte seine Hoffnung, dass es dem rechtmäßig gewählten Präsidenten Venezuelas gelingen werde, einen Dialog mit allen verantwortungsbewussten Kräften des Landes zu beginnen, um eine tragfähige nationale Einigkeit zu finden", hieß es nach Angaben der Agentur Interfax in der Erklärung.
Putin habe sich dem Appell der OAS angeschlossen, dass die Krise in Venezuela gemäß der Verfassung gelöst werden müsse, hieß es. OAS-Generalsekretär Cesar Gaviria sagte, beide Seiten beharrten auf ihren Positionen und hätten sie am Dienstag lediglich schriftlich fixiert. Chavez will auf keinen Fall unter Druck zurücktreten. Eine Volksabstimmung über seine Amtszeit sieht die Verfassung erst im August nächsten Jahres vor. Das US-Außenministerium stellte sich am Dienstag hinter die Bemühungen der OAS, die Rückkehr zur Normalität zu vermitteln. Es müsse rasch eine Lösung gefunden werden, um den Ausbruch von Gewalt zu verhindern, sagte ein Sprecher in Washington.
Ölpreis fällt wieder
Angaben des Amerikanischen Erdölinstituts zufolge sind die Rohöl-Vorräte der USA trotz des venezolanischen Lieferstopps lediglich um ein Prozent gefallen, während der Stand bei raffinierten Produkten wie Heizöl und Benzin fast unverändert geblieben sei. Diese Zahlen hätten sich nicht so stark verändert wie am Markt erwartet worden sei, sagte ein Händler. Das Barrel Öl der Marke Brent (159 Liter) wurde am frühen Nachmittag in London deutlich unter seinem Zweimonatshoch von Montag gehandelt und lag bei 27,60 Dollar.
Chavez hat versucht, die Ölausfuhren mit Hilfe der Armee und von Streikbrechern in Gang zu halten. Doch sind nur wenige Tanker abgefertigt worden. Vor den Häfen lagen am Mittwoch immer noch über 40 Tanker fest. Der Ausfall hat den Ölpreis zeitweise über 30 Dollar je Barrel getrieben und die OAS wie die USA veranlasst, sich einzuschalten. Dahinter steht auch die Furcht, dass sich die blutigen Unruhen des April wiederholen könnten.
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