Samstag, 14. Dezember 2002

"Prestige" verliert weiter Öl

  • Vierte Ölflut driftet auf spanische Küste zu

Der vor der spanischen Atlantikküste gesunkene Tanker "Prestige" bleibt eine tickende Zeitbombe für die Umwelt. Erst im Sommer 2003 ist eine Bergungsaktion denkbar. Die Menschen in der betroffenen Region werden noch lange unter den Folgen der Ölpest leiden, noch mehrere Öl-Fluten sind zu erwarten. Derzeit driftet die vierte auf die Küste zu.

Frühestens im Februar sei mit einer Lockerung des weit reichenden Fischfangverbots zu rechnen, hieß es. Die Einbußen für die Fischer in Galicien in den sechs Wochen nach der Havarie des Tankers werden auf fast 25 Millionen Euro geschätzt. Erst nach den Stürmen im Winter und Frühjahr wird wohl feststehen, ob das restliche Öl aus dem in 3.600 Metern Tiefe liegenden Schiff abgepumpt oder das Wrack einbetoniert werden kann. Ein Abpumpen des Öls aus dieser Tiefe wäre eine Weltpremiere. In den Tanks der "Prestige" befinden sich noch rund 50.000 Tonnen giftiges Schweröl, fast 30.000 Tonnen waren seit der Havarie bereits ins Meer gelangt.

Täglich strömen 150 Tonnen Öl aus Wrack
Aus etwa 30 Lecks strömen nach Schätzungen von Experten täglich weitere 150 Tonnen aus. Das französische Spezial-U-Boot "Nautile", das wegen schlechten Wetters auch am Freitag nicht eingesetzt werden konnte, hat erst fünf der undichten Stellen provisorisch mit Metallplatten schließen können. An der spanischen Küste wächst derweil angesichts sich drehender Winde die Furcht vor einer vierten Ölflut. Ein riesiger Ölteppich aus rund 4.000 Tonnen Öl befand sich am Freitag aber noch 110 Kilometer vom Festland entfernt. Dennoch wurden mancherorts weiter Ölreste ans Ufer gespült.

Nothafen für lecke Tanker gefordert
Um derartige Unglücke an der nordwestspanischen "Todesküste" künftig zu verhindern, forderte die galicische Regionalregierung den Bau eines Nothafens in der Küstenstadt La Coruna. Dorthin könnten dann künftig leckgeschlagene Frachter mit Gefahrengut geschleppt werden.

Dokumentarfilm über Prestige-Havarie
Unterdessen wurde bekannt, dass der Sohn des französischen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau (1910-1997) einen Dokumentarfilm über den Untergang der "Prestige" drehen wird. Mit dem Streifen wolle Jean-Michel Cousteau auf die Gefahren aufmerksam machen, die von derartigen "Seelenverkäufern" für die Umwelt ausgehen, berichtete die spanische Presse. Zudem sollen die Regierungen dazu bewegt werden, alte Tanker aus dem Verkehr zu ziehen. Im Mittelpunkt des Films sollen die Schäden der Katastrophe für die spanische Atlantikküste und das Leid der Tausenden Fischer stehen, die durch die Ölpest ihre Lebensgrundlage verloren haben.

14.12.2002 07:48