Montag, 9. Dezember 2002

Jörg Haider will nicht "belästigt" werden:
Kein Kommentar zu Bundespolitik

  • Erste Konsequenzen nach dem FPÖ-Parteitag:
    Pumberger (OÖ) will Funktionen zurücklegen

Jörg Haider war in Salzburg nicht dabei und ist jetzt auch nicht bereit, den FPÖ-Sonderparteitag zu kommentieren: "Ich habe meinen Rückzug aus der Bundespolitik erklärt. Daher wünsche ich, mit derartigen Fragen nicht weiter belästigt zu werden." Unterdessen drohen die ersten Konsequenzen in der FPÖ: "Ich überlege ernsthaft, meine Parteifunktionen zurückzulegen." Dies erklärte der Haider-Kritiker Alois Pumberger aus OÖ. Pumberger zeigte sich enttäuscht, weil es am FPÖ-Parteitag "keine personelle Erneuerung" gegeben habe. Die "demokratische Mehrheit" in der Partei wünsche offenbar keinen Neubeginn.

Der Arzt Alois Pumberger aus Lohnsburg ist FP-Bezirksparteiobmann von Ried und stellvertretender Landesparteiobmann. In dieser Funktion zählte er auch führend zu jener Gruppe, die den Rücktritt des früheren FP-Chefs Landesrat Hans Achatz gefordert und schließlich auch durchgesetzt hatte. Pumberger hatte sich im Vorfeld des Parteitags auch dafür ausgesprochen, dass Norbert Gugerbauer an die Spitze der Freiheitlichen kommt. Vor allem aber müsse sichergestellt werden, dass Jörg Haider in der Bundespolitik nicht mehr aktiv werde.

Dies sei beim Parteitag in Salzburg nicht geschehen, "es gab dort nichts anderes, als dass ein geschäftsführender Obmann zum Obmann gewählt wurde", sagte Pumberger, "die Spitzenfunktionäre haben sich nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit von Jörg Haider distanziert, dieser kann jederzeit wieder in der Bundespolitik mit mischen". In den Wortmeldungen sei die Schuld für das schlechte Wahlergebnis jenen zugeschoben worden, die gute Regierungsarbeit geleistet haben. Damit sei auch "kein verlässliches Signal an die ÖVP" erfolgt, "es würde mich wundern, wenn unter diesen Umständen eine Koalition mit der Volkspartei zu Stande käme, die ich persönlich begrüßen würde".

Kritik übte Pumberger auch am Auftritt von Volksanwalt Ewald Stadler, der gemeint hatte, die FPÖ sei weiter die Partei Haiders. Haupt habe sich davon nicht ausreichend distanziert. Er selber hätte sich - um eine weitere Polarisierung zu vermeiden - nur zu Wort melden wollen, wenn er persönlich attackiert worden wäre. Stadler habe dann aber polarisiert.

Er werde sich in den kommenden Tagen endgültig entscheiden, ob er seine Parteifunktionen zurücklegt. "Parteimitglied bleibe ich aber auf jeden Fall", so der Rieder FP-Chef. Er schließe nicht aus, dass auch eine Reihe von FPÖ-Ortsparteiobleuten ihre Funktionen zurücklegen werden. "Angedroht wurde das schon von vielen, bisher habe ich sie immer von diesem Schritt abgehalten, aber jetzt sehe ich keinen Grund, jemanden zurückzuhalten", sagte Pumberger.

Die FPÖ-Ortsgruppe von Ried hat inzwischen einen Beschluss gefasst: Der traditionelle "Politische Aschermittwoch" in Ried mit Jörg Haider wird im kommenden Jahr nicht stattfinden.

9.12.2002 12:01