Freitag, 13. Dezember 2002

Strafvollzug: Gefängnispfarrer zeigt Missstände auf

  • Forderungen an die Bundesregierung
  • Schritte zu "humanem und Sinn machendem Strafvollzug"

Kaum ein Bereich der Politik, aus dem jetzt nicht Forderungen an die neue Bundesregierung kommen. Einer davon, der nur zu oft nicht angehört wird: Der Strafvollzug. Hier fordert die evangelische Gefangenen-Seelsorge "wesentliche Verbesserungen".

Pfarrer Matthias Geist hat in dieser Woche sein Forderungspapier präsentiert, in dem er "Schritte in Richtung eines humanen und Sinn machenden Strafvollzugs" einmahnt. Geist betreut in Wien sechs Justizanstalten, darunter die größte des Landes, das landesgerichtliche Gefangenenhaus Wien-Josefstadt. Er wendet sich gegen Missstände.

Personalmangel
So ist, wie Geist beklagt, die Krisen-Intervention grundsätzlich "nicht mehr vollständig" durchführbar. Wegen Personalmangels ist auch die psychologische und sogar die medizinische Betreuung nicht mehr umfassend gewährleistet. Die Anstaltsleitung tue, was sie könne; es fehle jedoch an den Mitteln.

Forderungspaket
Die Forderung: Aufstocken der Fachdienste und der Justizwache und eine Motivationsförderung bei den vorhandenen Beamten. "Maßnahmen der Personaleinsparung sind destruktiv, entwürdigen die Insassen ... und führen letztlich zu einer höheren Kriminalitätsrate und steigenden Kosten der Justiz insgesamt." Denn zum Beispiel die Durchführung von sozialen Angeboten mit Blick auf eine Reintegration in die Gesellschaft hängt stark von der Zahl der Krankenstände bei den Beamten ab.

Auch das System der Resozialisierung und "Störfaktoren" bei Strafprozessen (etwa verbale Ausrutscher der Richter gegenüber Verdächtigen) bemängelt der Pfarrer.

13.12.2002 21:18