Rund 250.000 Ausländer haben Hauptwohnsitz in Wien
Rund 250.000 Ausländer haben derzeit laut Bevölkerungsevidenz ihren Hauptwohnsitz in Wien, das entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent an der Gesamtbevölkerung der Bundeshauptstadt. Als Bezirke mit dem höchsten Ausländer-Anteil werden Rudolfsheim-Fünfhaus (29 Prozent), Leopoldstadt (24,3 Prozent), Ottakring (23,4 Prozent), Brigittenau (23,2 Prozent) und Margareten (23,1 Prozent) ausgewiesen.
Die niedrigsten Anteile verzeichnen Liesing (6,8 Prozent), Donaustadt (7,2 Prozent) und Floridsdorf (7,7 Prozent). In den vergangenen Jahren hat der Ausländer-Anteil in Wien stagniert, durch die Volkszählung 2001 wurde er erheblich nach unten korrigiert.
In einem Beitrag für den Band "Zuwanderung und Segregation" haben Ursula Reeger und Josef Kohlbacher, wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Stadt- und Regionalforschung der Akademie der Wissenschaften, unter anderem die Geschichte der Zuwanderung und Segregation in Wien beleuchtet. Demnach betrug 1961 der Ausländer-Anteil in Wien rund 1,5 Prozent. Starke Anstiege gab es dann in der zweiten Hälfte der 60er, Anfang der 70er und ab Mitte der 80er Jahre.
Besonders zwischen 1987 und 1993 hat als Folge der Öffnung des Eisernen Vorhangs und einer kurzfristig steigenden Arbeitskräftenachfrage eine starke Zuwanderung stattgefunden, Höhepunkt war dabei das Jahr 1991. Seit 1993 stagniert die Zahl der in Wien lebenden Ausländer, was laut Reeger/Kohlbacher auf rigidere Zuwanderungsbeschränkungen zurückzuführen ist.
Migranten aus Jugoslawien und der Türkei
Die meisten Migranten stammen heute aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, gefolgt von Deutschland und Polen. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs sei eine Trendwende in der Migrationsgeschichte Wiens erfolgt, schreiben Reeger/Kohlbacher - unter der Bezeichnung "Neue Zuwanderung" erfolgte eine "Renaissance historischer Migrationsmuster der k.u.k. Monarchie", Zuwanderung aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen sei wieder möglich geworden.
Das Zusammenleben in Wien ist aus der Sicht der Wissenschafter durch "mehr oder minder ausgeprägte ethnische Segregations- und Konzentrationsprozesse" charakterisiert. Die Immigranten verteilten sich nicht gleichmäßig über den Stadtraum, sondern konzentrierten sich in bestimmten Bezirken und sogar in ausgewählten Baublöcken, vor allem in älteren Baubestandskategorien. Großflächige und auffällige ethnische Ghettos suche man aber vergeblich, es handle sich eher um "Ghettos im Kleinformat".
Konzentration bringt Probleme
Diese Konzentration bildet für die Wissenschafter ein "untrügliches Zeichen" für den Ausschluss von Immigranten von bestimmten Segmenten auf dem Wohnungsmarkt - und nicht primär um eine "natürliche räumliche Konsequenz des Bedürfnisses von Migranten, in räumlicher Nähe zu Landsleuten zu leben". In der Schlechter- bzw. Unterversorgung von Zuwanderern mit Wohnraum orten sie langfristig ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial.
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