Dienstag, 10. Dezember 2002

Es geht um 1,6 Mrd. €: Mutmaßlicher Betrüger in Haft

  • Türkei-Skandal: Betrüger wurde ins Parlament gewählt (Kasten)
  • Bei Schuldspruch drohen ihm 1.235 Jahre Haft!

Es geht um gigantische 1,6 Milliarden Euro! Um diesen Betrag soll ein türkischer Geschäftsmann und Ex-Abgeordneter - der Anfang November ins Parlament gewählt wurde! (Kasten rechts) - mehrere hundert Landesleute geprellt haben. Seine Opfer leben als Gastarbeiter in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Fadil Akgündüz wurde jetzt verhaftet und ins Istanbuler Gefängnis Kartal eingeliefert. So gigantisch wie die Schadenssumme ist auch die Strafe, die ihm droht: Bei Schuldspruch könnte er 1.235 Jahre Haft ausfassen!

Die Festnahme erfolgte aufgrund eines Haftbefehls, der auf die Beschwerden von 247 türkischen Gastarbeitern in Deutschland zurückgeht.

Akgündüz soll die Opfern mit falschen Versprechungen um ihre Ersparnisse gebracht haben. Die türkischen Gastarbeiter werfen Akgündüz vor, sie mit dem Verkauf von Anteilsscheinen für ein Projekt in der Automobilindustrie betrogen zu haben. Akgündüz war wegen der Vorwürfe ins Ausland geflohen und hatte sich aus dem europäischen Exil heraus bei den türkischen Parlamentswahlen am 3. November erfolgreich um ein Abgeordnetenmandat beworben. Deshalb war er zunächst vor der Strafverfolgung sicher und kehrte in die Türkei zurück. Der Hohe Wahlrat der Türkei erklärte die Wahl in Akgündüz' Wahlkreis im ostanatolischen Siirt wegen diverser Unregelmäßigkeiten aber für ungültig. Die Wahl wird im Februar wiederholt; die drei bisherigen Parlamentsabgeordnete aus Siirt verloren deshalb ihre parlamentarische Immunität, darunter auch Akgündüz. Das machte den Zugriff der Polizei gegen den Unternehmer am Dienstag möglich.

Akgündüz protestierte heftig gegen seine Festnahme. Vor Journalisten kündigte er an, er werde Klage beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg einreichen, da die Aufhebung seiner Immunität illegal gewesen sei.

10.12.2002 21:34