Gratisrad: Neuer Betreiber GEWISTA, Anonymität fällt
- Nicht mehr ganz gratis: Gebühr ab einer Stunde Benutzung
- FPÖ zufrieden: Steuerzahler nicht mehr belastet
Neustart im Mai, neuer Name, neues Konzept: Aus "Viennabike" wird "Vienna Citybike". Außerdem neu: Ausleihen ist nicht mehr anonym! "Jetzt kommt ein echtes Profi-Team, das für eine sichere Zukunft des Projekts Gratisstadtrad steht", sagte Wiens Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr, DI Rudolf Schicker. Er präsentierte den neuen Betreiber - das Werbeunternehmen GEWISTA.
Die Gewista ist aus insgesamt zwölf Bewerbern letztendlich als Sieger hervorgegangen. Sie werden die Stadt mit einem Gratis-Fahrrad-System versorgen, für das es keine Subventionen von der Gemeinde gibt, wie Schicker versicherte. Die Finanzierung übernimmt die Gewista.
Laut Geschäftsführer Karl Javurek wird der Aufbau des Systems rund zwei bis drei Mio. Euro kosten. Danach soll Geld von Sponsoren lukriert werden. Javurek zuversichtlich: "Es gibt deutliche Signale aus der Werbewirtschaft, dass das Konzept angenommen wird."
Nicht mehr ganz gratis
Die gängige Bezeichnung "Gratis-Stadtrad" stimmt nur mehr bedingt: Die Benutzung des Rades ist für eine Stunde kostenlos möglich, danach wird eine Gebühr verrechnet. Nichts kosten soll das System der Stadt Wien, da die Gewista die Finanzierung übernimmt.
Erste Räder ab Mai
Die ersten Räder sollen ab Mai zur Verfügung stehen. Sie sehen den bisherigen Bikes durchaus ähnlich und verfügen über Vollgummireifen. In der ersten Ausbaustufe wird es zehn bis 20 Entlehn-Terminals geben, im Sommer soll die Zahl bis auf 50 erhöht werden. Der Endausbau ist laut Javurek im kommenden Jahr geplant. Insgesamt sind 100 Terminals mit insgesamt 1.000 "Vienna Citybikes" vorgesehen.
Keine Gebiets-Einschränkung mehr
Gebietsschutz wird es keinen mehr geben, wie die Gewista versicherte. Zwar sollen die Terminals nur in den inneren Bezirken stehen, Ausflüge in Richtung Peripherie sind aber nicht verboten. Die Räder sind mit einem eigenen Schloss ausgestattet und können somit auch an normalen Radständern geparkt werden. Wird die erste Stunde der Entlehnzeit überschritten, wird dem Benutzer automatisch Geld vom Konto abgebucht.
In der zweiten und dritten Stunde kostet die Benutzung jeweils zwei Euro, ab der vierte Stunde werden vier Euro fällig. Eine Überlistung des Systems soll nur schwer möglich sein. Denn in den Rädern sind eigene Chips eingebaut. Das System registriert genau, wann und wo die Drahtesel zurückgegeben werden. Die Benutzung könnte in Zukunft sogar ganzjährig möglich sein: Denn auch ein - eventuell reduzierter - Winterbetrieb ist angedacht, wie der Gewista-Geschäftsführer berichtete.
Javurek machte keinen Hehl daraus, dass das neue Konzept technisch weit komplizierter ist, als das bisherige. Doch sein Unternehmen wird auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen, wie er betonte. Geplant ist etwa die Benutzung von Strom- und Datenleitungen, die bereits für den Betrieb der Internet-"City-Terminals" oder für die beleuchteten Wartehäuschen der Wiener Linien eingebaut wurden - für beide ist die Gewista bereits verantwortlich.
FPÖ vorerst zufrieden
Die Entscheidung für die Gewista als neuen Betreiber des Wiener Gratis-Fahrrades hat die Wiener FPÖ in einer Reaktion als einen "Schritt in die richtige Richtung". bezeichnet.
Denn: Steuerzahler entlastet
Dass durch die Form der Finanzierung jedoch die Betreiber nicht mehr auf Subventionen der Stadt angewiesen sein werden und daher dem Steuerzahler "nicht mehr zur Last fallen", ist für die Wiener FPÖ ein "positives Signal". Das zeige, dass "nicht nur mit Dilettantismus - wie etwa beim früheren Betreiber - sondern auch mit innovativer und gestalterischer Kreativität" gehandelt werden könne.
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