Steff erobert Amerika
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Die Nummer eins: Stephan Eberharter ist mit 33 Jahren in seinem 14. Rennwinter stärker denn je. Der Olympiasieger und Gesamtweltcupgewinner verblüfft Freund und Feind mit Top-Fitness und Skitechnik. Legt er in den USA den Grundstein zur Titelverteidigung?
Startnummern-Poker hin oder her, normale Unsicherheiten über die richtige Materialwahl vor den ersten Speed-Events des Weltcup-Winters – einer steht wie ein Fels im Schneesturm: Stephan Eberharter dominierte die Konkurrenz bei der Abfahrt und im Super-G von Lake Louise scheinbar nach Belieben. Der inzwischen 33-jährige Zillertaler hat bei den Rennen in Amerika leistungsmäßig dort angeschlossen, wo er vor einem Jahr aufgehört hat. Und präsentiert sich für seine Konkurrenten und die Trainer in einer Verfassung, die ihn fast unschlagbar macht.
Abgeklärt und erfolgreich
Vier Starts, drei Siege: Viel besser kann ein Rennläufer nicht in einen langen Winter starten, in dem als Höhepunkt Anfang Februar zusätzlich die Ski-WM in St. Moritz auf dem Programm steht. Eberharter: „Ich hab vorm ersten Rennen immer davon geredet, dass ich schon zufrieden wäre, wenn ich meine Leistungen der vergangenen Saison auch nur annähernd halten kann. Immerhin bin ich ja nicht mehr der Jüngste“.
Aber für den abgeklärten Skistar aus Stumm gilt wie für kaum einen anderen vor ihm: je älter, desto besser. Mehr noch: Die Trainer trauen Eberharter sogar zu, dass er heuer noch eins drauflegen kann, nicht nur den Gesamtweltcup verteidigt, sondern zwölf Jahre nach seinem doppelten WM-Gold im Super-G und in der Kombination von Saalbach 1991 der ganz große Abräumer von St. Moritz wird.
Der Seriensieger
ÖSV-Herrenchefcoach Toni Giger spart bei der Beschreibung seiner Nummer eins nicht mit Superlativen: „Er nimmt den Rennsport so ernst wie kaum ein anderer, ist schon im Training äußerst diszipliniert und konzentriert. Dazu kommt, dass er nach all seinen Erfolgen niemandem mehr etwas beweisen muss. Daher kann er’s auch so locker angehen lassen, macht sich selbst auch keinen Druck mehr.“
Es ist auch die Lockerheit des späten Seriensiegers. Im letzten Winter holte Eberharter gleich zehn Einzelsiege, landete bei allen anderen Rennen immer unter den Top 10 und triumphierte bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City schließlich mit Gold im Riesentorlauf, Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt. Nach seinen bisher drei Saisonsiegen hält der Tiroler nun bei insgesamt 19 Weltcuperfolgen. In der ewigen Bestenliste rangiert er damit als drittbester Österreicher hinter Franz Klammer (26 Weltcupsiege) und Hermann Maier (41). Wobei der ehemalige Shooting Star des ÖSV-Teams nach seinem WM-Doppelschlag 1991 bis März 1998 auf seinen allerersten Weltcuperfolg warten musste, den er beim Finale in Crans Montana feierte.
Ewiger Zweiter
Und es könnten schon einige mehr sein, wenn Steff damals beim Sensationscomeback nach langer Verletzungspause nicht ausgerechnet ein Hermann Maier „passiert“ wäre, dem er immer wieder, oft auch nur um Hundertstelsekunden, den Vortritt lassen musste. Andere wären an der ihm zugeschriebenen Rolle des „ewigen Zweiten“ wahrscheinlich zerbrochen. Steff, wie ihn seine Freunde rufen, bezog aus der oft nur herbeigeschriebenen Rivalität mit dem „Herminator“ einen neuen Motivationsschub. „Ich hab immer an mich geglaubt und gewusst, dass ich’s noch besser kann. Denn wenn du im Spitzensport etwas wirklich Großes erreichen willst, musst du auch verlieren lernen.“
Tino Teller
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