Duo Infernal: Herbert Haupt und Jörg Haider
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FP-Atomkrieg: Wer vor dem FP-Parteitag um die Macht kämpft, wie Haider, Haupt, Gugerbauer und Co damit die Partei atomisieren. Und warum keines der Lager nachgibt.
Salzburg im Advent ist vollkommen ausgebucht. In der vorweihnachtlichen Traumstadt sind so kurzfristig einfach keine Zimmer mehr zu bekommen. „In Knittelfeld wär’s jetzt leichter, unterzukommen“, denkt ein überforderter freiheitlicher Organisator der zweiten Reihe.
Chaos vor Parteitag
Doch die schwierige blaue Herbergssuche fällt freilich eher in die Kategorie kleineres Malheur. Herbert Haupt, Karl Schweitzer und Markus Mitterrutzner haben derzeit drängendere Probleme bei den Vorbereitungen zum FPÖ-„Einigungs“-Parteitag am Sonntag im Kongresszentrum.
Denn derzeit plagen die FPÖ wahrlich andere Sorgen. Parteichef Haupt steht vor den Trümmern der einst so erfolgsverwöhnten Partei und versucht nun zu retten, was noch zu retten ist. Auch seine eigene politische Zukunft steht unter keinem besonders glücklichen Stern. Zwar dürfte er in allerletzter Sekunde eine Gegenkandidatur von Norbert Gugerbauer – ob der „realen Machtverhältnisse in der FPÖ“ (Haider) – am Sonntag verhindert haben, doch ausgemacht ist ein harmonischer Konvent der längst nicht befriedeten Partei in keiner Weise.
Final Countdown?
Daher hat sich der interimistische FP-Chef Haupt denn auch dazu entschlossen, bis Sonntag alle neun FP-Landesorganisationen zu besuchen, um sie auf ihn einzuschwören, damit jener Parteitag der FPÖ, der zur Apokalypse Blau führen könnte, doch noch einmal gekittet wird.
Mit Haupt nonstop auf Ländertour sind auch der blaue Generalsekretär Schweitzer und FP-Bundesgeschäftsführer Mitterrutzner, die sich eigentlich um andere Dinge kümmern müssten: zum Beispiel, ob sie beim Einzug Haupts in das Salzburger Kongresszentrum wirklich „The Final Countdown“ spielen sollen, wie all die Jahre zuvor beim Haider-Einmarsch oder ob dies die 730 ohnehin mehr als irritierten Funktionäre nicht falsch verstehen könnten.
Feuer am blauen Dach
Schließlich hat die FPÖ ihre dramatischsten acht Tage seit 1986 hinter sich. Obwohl man nach den blauen Dauerturbulenzen nach Knittelfeld eigentlich angenommen hatte, dass es gar nicht mehr schlimmer kommen könne, stand die einst so geschlossene Partei bereits am Tag nach der für sie so desaströsen Nationalratswahl vor einer existenzbedrohenden Zerreißprobe.
Eine Partei zerbröselt
Das Dach des blauen Hauses stand für alle Beobachter klar ersichtlich in Flammen und drohte das ohnehin brüchige Gebäude zum Einsturz zu bringen. Immer mehr freiheitliche Funktionäre wagten das für lange Zeit in der blauen Welt Undenkbare und kritisierten offen Jörg Haider. Die Vorarlberger FP-Landesgruppe drohte gar mit Abspaltung, sollte sich Haider nicht zurückziehen, die Kärntner Gruppe konterte prompt mit ihrem Abgang, samt fünf blauer Nationalratsabgeordneter, sollte die „Menschenjagd gegen Haider nicht beendet“ werden.
Zumindest dieser Teil wurde freilich nicht öffentlich bekannt. Zusehends schlossen sich kleine konspirative Gruppen zusammen, um den Sturz des jeweils anderen zu planen. Fast stündlich jagte eine Schreckensmeldung die andere. Die Lage war außer Kontrolle geraten. Parteiausschlüsse wurden verkündet und wieder zurückgenommen, freiwillige Austritte stehen seitdem auf der Tagesordnung. Die Devise lautete einmal mehr „Jeder gegen jeden“.
FP-Spaltung?
Vor allem, da ein alter Bekannter der Freiheitlichen sich kurzfristig auf dem politischen Parkett zurückgemeldet hatte. Niemand Geringerer als Norbert Gugerbauer, just jener Mann, der Jörg Haiders Putsch gegen Norbert Steger vor 16 Jahren orchestriert hatte, überlegte, gegen Herbert Haupt am Parteitag zu kandidieren. Ein Putsch gegen Haiders Kandidaten Haupt drohte. Immer mehr FP-Delegierte äußerten offiziell ihren Unmut. Und Haider, der sich mal wieder gänzlich aus der Bundespolitik zurückziehen wollte, kündigte an, im Falle einer Gugerbauer-Kandidatur selbst in den Ring steigen zu wollen.
Eine Parteispaltung war – und ist – nicht mehr ausgeschlossen. Zwar hat Gugerbauer am Dienstag offiziell erklärt, dass er nicht kandidieren werde, da die FPÖ noch „nicht reif“ für eine Ära nach Haider sei, doch Herbert Haupt, der Gugerbauer noch aus seiner Zeit als FP-Klubobmann im Wiener Parlament kennt, erklärte im kleinen Kreis: „Ich kenn den Gugerbauer. Das ist ein schlauer Fuchs. Dem Frieden trau ich nicht. Der plant noch was.“ Und so lautet denn auch die Devise im Haupt-Lager „Oberste Vorsicht“, wie ein Haupt-Vertrauter im NEWS-Gespräch erklärt, der bloß an die „Ruhe vor dem eigentlichen Sturm“ glaubt.
Isabelle Daniel
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