Mittwoch, 4. Dezember 2002

Zilk sorgt sich in NEWS um Haiders "Todessehnsucht"

  • Appell an die SPÖ: "Ohne Tabus in Verhandlungen!"

Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk ist in Sorge! Jörg Haider sei von einer "Todessehnsucht" getrieben und bräuchte vermutlich "einen Freund", um sein "seelisches Defizit" auszugleichen. Und auch für die SPÖ hat Zilk einen guten Rat: Sie sollte "ohne Tabus" in Koalitionsverhandlungen gehen.

Zilk appelliert dringlich an seine Partei, ernsthafte Koalitionsgespräche zu führen. "Wichtig ist, dass man sich ohne sinnlose Tabus an den Tisch setzt." Beide Parteien müssten Abstriche machen: "Die ÖVP muss sich bei den Abfangjägern bewegen. Aber auch die SPÖ muss tabufrei an die Sachen herangehen. Zum Beispiel bei den Studiengebühren. Es gibt zu Recht Dinge, die wir weg haben wollen - wie die unsinnigen Ambulanzgebühren. Aber dann muss uns im Gegenzug etwas einfallen, wie wir die Krankenkassen anders sanieren."

"Man muss den Mut haben, sich zu korrigieren"
Dass sich SPÖ-Chef Gusenbauer vor der Wahl darauf festgelegt hatte, als Zweiter nicht in die Regierung zu gehen, sei für ihn, Zilk, kein Problem. "Um glaubwürdig zu sein, muss man manchmal auch den Mut haben, sich zu korrigieren." Über Gusenbauer sagt Zilk: "Er ist eine politische Persönlichkeit, die rund ist, belesen und volksnah. Ein Mann, der Zukunftschancen hat, sich zu bewähren. Aber in der Opposition wird er sich nicht entwickeln."

Häupl in vier Jahren an SPÖ-Spitze?
Die Frage, ob sein Nachfolger, Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der bessere Spitzenkandidat gewesen wäre, beantwortet Zilk so: "Gusenbauer war ein hervorragender Kandidat. Häupl kam diesmal schon nicht in Frage, weil er bei der Wiener Wahl im Vorjahr einen ungeheuren Vertrauensvorschuss bekommen hat und in Wien bleiben musste. Er ist ja kein Jobhopper. Aber in vier Jahren - wer weiß!?"

Zilks Sorge um Haider
Eine Neuauflage von Schwarz-Blau ist für Zilk unwahrscheinlich. Über den von ihm früher respektierten Jörg Haider finden Zilk nur mehr harte - und mitleidige - Worte: "Er ist intelligent, begabt und hat Charme. Aber für mich hat er - Naturvölker kennen dieses Bild - das Gesicht verloren. Für mich ist das, was er macht, geistige Prostata: Er muss ununterbrochen verbal urinieren." Man müsste sich Sorgen um Haider machen. Zilk: "Er ist wie von einer geistigen Todessehnsuch getrieben. Ich glaube aber, dass er in vielen Stunden leidet und einen Freund braucht, der sein seelisches Defizit ausgleicht. Denn ich schließe nicht aus, dass er an einem Tiefpunkt anlangt, von wo er aus eigener Kraft nicht mehr weiterkommt."

Das komplette Interview finden Sie im neuen NEWS!

4.12.2002 12:52