Sonntag, 8. Dezember 2002

5.600 Fiat-Arbeiter stehen ab heute auf der Straße

  • Streik in allen Produktionswerken, Demonstration in Turin
  • Berlusconi rät Fiat-Belegschaft zu Schwarzarbeit als Ausweg

5.600 Arbeitnehmer hat der krisengebeutelte italienische Autokonzern Fiat am Montag dienstfrei gestellt. Aus Protest gegen den Umstrukturierungsplan des Unternehmens streikte die Belegschaft aller Produktionswerke vier Stunden lang. Italiens Premierminister Silvio Berlusconi hat den betroffenen Fiat-Arbeitern schon am Samstag salopp zur Schwarzarbeit geraten.

Vor den Fiat-Werken in Turin versammelten sich Hunderte Demonstranten. Die Gewerkschaften befürchten eine starke Krise in den Kleinindustrien des norditalienischen Raums, die von Fiat abhängig sind und erwägen einen Generalstreik für kommenden Freitag.

Gesperrt bleiben erstmals die sizilianischen Produktionswerke von Termini Imerese mit insgesamt 1.800 Mitarbeitern, die im September 2003 nach einem Umstrukturierungsprozess wieder eröffnet werden sollen. Dazu kommen tausend Arbeitnehmer in Arese bei Mailand, 1.200 Beschäftigte in Cassino bei Rom sowie 1.350 Personen in den Turiner Hauptwerken von Mirafiori. Auch bei der Logistiktochter TNT wurden mehrere hundert Personen dienstfrei gestellt, 300 befristeten Arbeitnehmern wurde der Arbeitsvertrag nicht verlängert.

Berlusconis Kabinett werfen die Gewerkschaften vor, die massiven Stellenkürzungen des Umstrukturierungsplans ohne inhaltliche Bedenken akzeptiert zu haben. Die Verhandlungen zur Rettung der Arbeitsplätze in der Vorwoche seien eine Farce gewesen. Solidarisch mit den Streikenden erklärte sich der Turiner Bürgermeister Sergio Chiamparino, der eine Fiat-Delegation vor dem Eingang der Produktionsanlagen Mirafiori traf.

Berlusconi rät zu Schwarzarbeit
"Die tüchtigsten unter den Fiat-Arbeitnehmern werden bestimmt einen zweiten Job finden, vielleicht keinen offiziellen. Auf diese Weise werden sie neben der Arbeitslosenunterstützung ein weiteres Einkommen für ihre Familie haben" - mit diesem Spruch in einem Interview eines seiner TV-Sender sorgt der italienische Ministerpräsident für Aufregung und Ärger. "Ein Skandal", sagt die Opposition.

8.12.2002 22:14