United-Airlines-Chef: Konkursantrag wahrscheinlich
- Tilton: "Wir brauchen mehr Kosteneinsparungen"
·United Airlines
US-Fluggesellschaft droht Konkurs
United-Airlines-Chef Glen Tilton hält einen Konkursantrag für sein schwer angeschlagenes Unternehmen "für immer wahrscheinlicher". "Wir haben einen Kapitel-Elf-Antrag seit Monaten vorbereitet", erklärte Tilton in einer telefonischen Nachricht an die Mitarbeiter. "Kapitel Elf wird der wahrscheinlichere Ausgang. Er ermöglicht es uns, zu restrukturieren und gleichzeitig unsere Kunden weiter zu bedienen", betonte er am Freitag. Ein United-Sprecher bestätigte die Tilton-Nachricht auf Anfrage.
Ein Konkursverfahren im Rahmen des Kapitel Elf des US- Konkursrechtes erlaubt es einem Unternehmen, seine Geschäfte unter Aufsicht eines Konkursrichters fortzuführen und eine Sanierung anzustreben.
Konkursantrag bereits Sonntag oder Montag?
Die United wird möglicherweise bereits an diesem Sonntag oder Montag einen Konkursantrag stellen, berichteten US-Medien, doch bestätigte die Gesellschaft dies nicht. Der Verwaltungsrat United- Mutter UAL Corporation wollte sich am Samstag treffen. Dann könnte nach Ansicht von Branchenkennern eine Entscheidung über einen Konkursantrag fallen.
"Wir brauchen mehr Kosteneinsparungen, und Arbeitsplatzregeln müssen auf den Tisch", betonte der Konzernchef. Die United hat die höchsten Tarif- und Betriebskosten aller US-Fluggesellschaften. Die Hilfsbehörde für die Airlines ATSB hatte in dieser Woche einen Antrag auf eine staatliche Kreditgarantie von 1,8 Milliarden Dollar abgelehnt. Die Aktien der UAL waren am Freitag nochmals um 17 Prozent auf nur noch 83 Cent gefallen, nachdem sie am Vortag um 68 Prozent eingebrochen waren.
Verhandlungen mit Citigroup
Die United verhandelt mit der Citigroup, der J.P. Morgan, der Bank One und der Finanzsparte von General Electric über einen Kredit von 1,5 Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro), berichtete die "New York Times". Sie will damit während eines Konkursverfahrens weiter operieren. Die Lufthansa, die mit United zur 14 Fluggesellschaften umfassenden "Star Alliance" gehört, könnte zu einem späteren Zeitpunkt in die Finanzierung einbezogen werden, erklärte die Zeitung.
Größter Airline-Konkurs aller Zeiten
Es wäre der größte Airline-Konkurs aller Zeiten. Die United kontrolliert 20 Prozent des gesamten US-Flugverkehrs und wichtige Transatlantik- und Pazifik-Strecken. Sie hat in den vergangenen zwei Jahren vier Milliarden Dollar Verluste verbucht. Sie kommt täglich auf knapp 1800 Flüge, beschäftigt 83.000 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Dollar. Die United-Mitarbeiter halten 55 Prozent der Aktien. Sie würden bei einem Konkursverfahren ebenso wie die anderen Aktionäre ihr gesamtes Investment verlieren.
Die Airline wird auf jeden Fall weiter fliegen, hatte Tilton schon vorher versichert. Die schwache US-Wirtschaft, die Terroranschläge vom 11. September, der starke Einbruch im Flugverkehr, niedrige Flugpreise und die immer härtere Konkurrenz der Billigfluglinien haben der United schwer zu schaffen gemacht. Es werden in den kommenden Tagen 920 Millionen Dollar Schulden fällig.
Die United kann in einem Konkursverfahren Tarifverträge streichen und so von den Mitarbeitern viel größere Konzessionen fordern. Die Gläubiger dürften ebenfalls in großem Stil zur Kasse gebeten werden. Die United könnte so ihre Schulden abbauen, die Kosten drastisch senken und möglicherweise nach geraumer Zeit saniert aus einem Konkursverfahren herauskommen.
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