Samstag, 7. Dezember 2002

Gewerkschaften drohen mit Generalstreik gegen Fiat

  • Berlusconi Rät Fiat-Belegschaft zu Schwarzarbeit als Ausweg
  • Management des Konzerns verteidigt Umstrukturierungsplan

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi hat am Samstag den Fiat-Arbeitern, die ab nächste Woche "dienstfrei" sind, zur Schwarzarbeit geraten. Italien ist empört. Die italienischen Gewerkschaften drohen mit einem Generalstreik gegen den maroden Autokonzern Fiat.

"Die tüchtigsten unter den Fiat-Arbeitnehmern werden bestimmt einen zweiten Job finden, vielleicht keinen offiziellen. Auf diese Weise werden sie neben der Arbeitslosenunterstützung ein weiteres Einkommen für ihre Familie haben" - mit diesem Spruch in einem Interview eines seiner TV-Sender sorgt der italienische Ministerpräsident für Aufregung und Ärger. "Ein Skandal", sagt die Opposition.

Arbeiter stehen auf der Straße
Am Montag setzt der Konzern im Rahmen eines radikalen Sanierungsplans 5.600 seiner Arbeitnehmer "dienstfrei". Die Arbeitnehmerorganisationen beschuldigen die Regierung in Rom, vor Fiat kapituliert und passiv den Umstrukturierungsplan des Konzerns mit der massiven Entlassungswelle akzeptiert zu haben.

"Die Regierung hat die Gewerkschaften gedemütigt, doch wir werden weiterkämpfen. Die Verhandlungen über Fiat müssen wieder aufgenommen werden", sagte der Chef des Gewerkschaftsverbands CISL, Savino Pezzotta. Am Donnerstag waren die Gespräche zwischen Arbeitnehmerorganisationen, Fiat-Management und Regierung gescheitert, nachdem das Kabinett den Sanierungsplan mit den massiven Stellenkürzungen gesegnet hatte. Die CISL erwägt daher mit dem stärksten Gewerkschaftsverbands im Land, CGIL, einen Generalstreik gegen Fiat und die Regierung.

Kritik an Berlusconi
Die Fiat-Belegschaft wirft der Regierung und Berlusconi Kapitulation vor der Unternehmerschaft und Verrat an den kleinen Arbeitnehmern vor.

Weitere Demos geplant
Nachdem die Belegschaft am Freitag mit Massenkundgebungen und Streiks gegen das Scheitern der Verhandlungen über Fiats Zukunft protestiert hatte, sind weitere Demonstrationen in den nächsten Tagen geplant. Ein vierstündiger Streik soll am Montag die Fiat-Werke erneut lahm legen.

Fiat: Nicht in ausländische Hände
Der Geschäftsführer von Fiat Auto, Gabriele Galateri, versprach, dass Fiat nicht in ausländische Hände geraten werde. "Wir planen in den nächsten Jahren Investitionen im Wert von acht Milliarden Euro, um 20 neue Modelle auf den Markt zu bringen und an Konkurrenzfähigkeit zu gewinnen. Die Stunde ist trüb, doch Fiat steht eine Zukunft bevor", meinte der Geschäftsführer.

7.12.2002 12:52