Freitag, 6. Dezember 2002

Topmanager Snow soll neuer US-Finanzminister werden

  • GSX-Konzernchef als Nachfolger O'Neills vorgesehen

Der Vorsitzende des Frachtkonzerns GSX, John Snow, wird aller Voraussicht nach von US-Präsident George W. Bush zum neuen Finanzminister ernannt. Dies verlautete in der Nacht auf Montag aus Regierungskreisen in Washington.

Vor der offiziellen Bekanntgabe der Entscheidung wolle Bush noch die Überprüfung des finanziellen und persönlichen Hintergrundes des 63-Jährigen abwarten. Finanzminister Paul O'Neill (Bild) war am Freitag nach zwei Jahren im Amt zurückgetreten. Der Konzern GSX betreibt das größte Bahn-Frachtverkehrs-Netz im Osten der USA. John Snow arbeitete in den siebziger Jahren im Verkehrsministerium des damaligen republikanischen Präsidenten Gerald Ford.

Friedman folgt Lindsey
Bushs ebenfalls zurückgetretener Chefwirtschaftsberater Lawrence Lindsey soll durch den früheren Vorsitzenden des Bankhauses Goldman Sachs, Stephen Friedman, ersetzt werden. Friedman wird nachgesagt, was Lindsey vermissen lasse: Er soll ein Befürworter weiterer Steuersenkungen und am Handelsplatz Wall Street wohlgelitten sein. Friedman arbeitete bei Goldman Sachs zudem jahrelang mit dem ehemaligen Finanzminister Robert Rubin zusammen. Rubin, der unter Präsident Bill Clinton das Ministerium leitete, hat Anlegern zufolge mit seiner gelassenen, ruhigen Art und seinem feinen Gespür für die Finanzmärkte Maßstäbe gesetzt, an denen seine Nachfolger gemessen werden.

"Freitagmorgen-Massaker" in Bushs Kabinett
Das US-Präsidialamt hatte bereits seit einiger Zeit eine größere Umbesetzung seines Wirtschaftsteams erwogen, um noch vor den Präsidentschaftswahlen 2004 wirtschaftliche Impulse zu setzen. Steuersenkungen sollen bereits in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden. Der 67-jährige O'Neill ist das erste Mitglied der Regierung Bush, das das Kabinett verlässt. Ein Berater der Republikaner bezeichnete die Neuordnung als das "Freitagmorgen-Massaker".

6.12.2002 15:48