Verhandlungen gescheitert: Fiat-Belegschaft streikt
- 5.600 Personen ab Montag dienstfrei
- Bruch mit den Gewerkschaften
Mit einer Mobilisierung ohnegleichen reagierte die Fiat-Belegschaft am Freitag auf das Scheitern der Verhandlungen um die Rettung von 8.100 Arbeitsplätzen beim Turiner Autobauer. Von der Lombardei bis Sizilien beteiligten sich verzweifelte und wütende Arbeitnehmer an einem achtstündigen Streik gegen die Regierung, die dem Umstrukturierungsplan von Fiat am Freitag Grünes Licht gegeben hat . Damit kann am Montag die Dienstfreistellung von 5.600 Personen beginnen.
Zu Massendemonstrationen kam es vor den größten Fiat-Werken in Turin. Protestdemonstrationen und Sit-Ins wurden auch vor den Büros des krisengeschüttelten Konzerns organisiert.
Turin erschien als eine belagerte Stadt. Demonstranten blockierten Straßen und Bahnhöfe, eine Fiat-Demonstration fand auch auf dem Mailänder Domplatz statt. "Nach 25 Jahren Arbeit bei Fiat werde ich am Montag hinausgeworfen. Wo finde ich in meinem Alter noch eine Stelle", fragte eine 50-jährige Arbeitnehmerin in Tränen. In Cassino südlich von Rom blockierten Demonstranten die "Autostrada del Sole" unweit vom lokalen Fiat-Konzern. Der Fiat-Belegschaft schlossen auch Arbeitnehmer der Zuliefererfirmen an, die vom Autokoloss stark abhängig sind. Ein weiterer vierstündiger Streik ist am Montag geplant.
Die Gewerkschaften warnten, dass die Kündigungswelle der erste Schritt in Richtung eines definitiven Verkaufs der Autosparte an den amerikanischen Partner General Motors (GM) sei, der seit dem Jahr 2000 bereits eine 20-prozentige Beteiligung an Fiat halt. "Die Regierung hat vor Fiat kapituliert. Sie war von Anfang an mit dem Umstrukturierungsplan einverstanden. Es hat im Grunde keine wirkliche Verhandlungen gegen. Die Regierung hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt", sagte der führende Gewerkschaftssprecher Savino Pezzotta.
Die Arbeitnehmerverbände erklärten, sie wollten ihren Kampf für die Rettung der italienischen Autoindustrie fortsetzen. Daher sei ein Neubeginn der Verhandlungen mit Fiat notwendig. Ein schwacher Trost sei die Bereitschaft der Regierung, einen Plan zur Frühpensionierung zu finanzieren, der 2.600 Arbeitnehmern ermöglichen soll, das Unternehmen ohne finanzielle Verluste zu verlassen. Dieses System, das "lange Mobilität" genannt wird, erlaubt die Pensionierung von Arbeitnehmern, die noch sieben Jahre Rentenbeiträge zahlen müssen. Dieses Maßnahmenpaket wird den Staatskassen zirka 90 Mio. Euro kosten.
Regierungschef Silvio Berlusconi wies die Vorwürfe der Gewerkschaften zurück und beschuldigte sie, mit ihrer hartnäckigen Position den Abbruch der Verhandlungen beschleunigt zu haben. In dieser Krisenphase sei der Personalabbau unvermeidbar, die Regierung habe von Fiat jedoch einige wichtige Konzessionen erhalten wie die Rettung der sizilianischen Werke von Termini Imerese, die ursprünglich im Dezember gesperrt werden sollten. Fiat genehmigte, dass die sizilianischen Werke nach einer Umstrukturierung im September 2003 wieder geöffnet werden. "Die Regierung hat gut gearbeitet, doch die Gewerkschaften versuchen mit ihrer unnachgiebigen Haltung den sozialen Konflikt in Italien zu nähren", meinte Berlusconi.
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