Donnerstag, 5. Dezember 2002

Liebscher: 'Für Wachstum 2003 vorsichtig optimistisch'

  • EZB-Ratsmitglied: Deutlich weniger Risiken für Preisstabilität
  • Leitzinssenkung nun in die reale Wirtschaft weitergeben -

"Wir sind für das Wachstum im Jahr 2003 vorsichtig optimistisch, da durch die sinkende Inflation auch die Binnenkaufkraft gestärkt wird", betonte OeNB-Gouverneur EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher am Donnerstag zur APA. Für 2003 sei mit einer Rückkehr in Richtung Potenzialwachstum zu rechnen, sagte Liebscher am Nachmittag nach der Entscheidung der Euro-Währungshüter, den Leitzinssatz um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent zu senken.

Die Risiken für die Preisstabilität würden doch deutlich nachlassen, "und wir gehen für die Euro-Zone von einer Inflationsrate von unter 2 Prozent im nächsten Jahr aus" - unterstützt vor allem durch das schwache wirtschaftliche Wachstum. Zunächst werde es eher nur ein schwaches Wachstum geben, was aber wiederum die Preisstabilität begünstige.

Dennoch gebe es auch noch Unsicherheiten über das Wachstum, verwies der OeNB-Gouverneur etwa auf die Irak-Frage, den Ölpreis und die noch offene weitere Entwicklung an den Finanzmärkten. Freilich komme an den Finanzmärkten das Vertrauen ebenso wie die Stabilität jetzt langsam wieder zurück.

Den kräftigen Zinssenkungs-Schritt ermöglicht hätten der EZB die nachlassenden Risiken für die Preisstabilität. Die Leitzinssenkung müsse aber jetzt in die reale Wirtschaft weitergegeben werden, wiewohl dies die Banken selbst zu entscheiden hätten.

Die "Erwartungshaltung", dass die Banken die Kreditzinsen nun ebenfalls nach unten anpassen, sei "natürlich vorhanden". Damit könne ein Signal in Richtung Belebungsmöglichkeiten der Wirtschaft gegeben werden. Die geschäftspolitische Verantwortung dafür liege aber natürlich bei den Banken selbst.

In Richtung Fiskal- und Budgetpolitik betonte EZB-Ratsmitglied Liebscher, dass der "Appell" bestehen bleibe, dass die Politik dazu beitragen solle, "dass wir weiteres Wachstum sehen". In diesem Zusammenhang erinnerte Liebscher daran, dass die Euro-Hüter die Defizitverfahren der EU-Kommission gegen Portugal und Deutschland ebenso begrüßen wie den "blauen Brief" an Frankreich.

5.12.2002 15:46