Mittwoch, 4. Dezember 2002

Österreicher: 350.000 Haushalte sind verschuldet!

  • Die Zahl der Schuldner explodiert
  • 1,65 Millionen Pfändungen pro Jahr

350.000 Haushalte sind überschuldet - drei Mal so viele wie vor 13 Jahren! Die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen Jahren explodiert. So finden pro Jahr unglaubliche 1,65 Mio. Lohn- und Gerichtspfändungen (760.000 Lohnpfändungen und 890.000 Gerichtsvollzieherpfändungen) statt! Die klassische Schuldnerkarriere beginnt bereits in sehr jungen Jahren. Mit sorglosen Kontoüberziehungen.

Das sagt der Leiter der Schuldnerberatung Wien Alexander Maly. Er hat im Gerichtsgebäude in der Wiener Riemergasse sein Buch "Tatort Banken" präsentiert.

Rund 350.000 österreichische Haushalte sind überschuldet. Rund ein Drittel der verschuldeten Familien leben in Wien. Die durchschnittliche Verschuldung bewegt sich laut Maly in einer Bandbreite zwischen 36.000 Euro und 100.000 Euro. 64 Prozent der Kredite entfallen auf Wohnen, 36 Prozent auf Konsumkredite. Maly geht aber davon aus, dass sich dieses Verhältnis deutlich in Richtung Konsumkredite verschoben habe, da nicht klar sei, ob Wohnungsdarlehen nicht anderswertig verwendet werde. Der Löwenanteil der Schulden fällt auf Bankkredite, gefolgt von Schulden bei Versandhäusern und an dritter Stelle bereits bei Mobilfunkbetreibern.

Hauptschuld: Banken
Hauptschuld an der steigenden Verschuldung gibt Maly den Banken. Diese verdienen an einem in Verzug gekommenen Zahler besser als an einem prompten Zahler. Explodiert sei die Zahl der Problemfälle seit 1986 mit der Einführung der Drittschuldabfragung, die eine Lohn- und Gehaltspfändung erleichtert. Seit damals können die Banken und Kreditinstitute beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger den jeweiligen Arbeitgeber eines Schuldners abfragen und mit einem Gerichtstitel pfänden.

Banken lassen jedenfalls nichts unversucht, um Kunden das Überziehen ihrer Konten schmackhaft zu machen, so Maly. Großzügige Überziehungsrahmen werden eingeräumt und mit Angeboten wie "Ihre persönliche Einkaufsreserve" werde verschleiert, dass Geld ausgegeben werden soll, das eigentlich gar nicht vorhanden ist.

Weihnachten fördert Schulden
Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft werde voraussichtlich wieder zu kräftigen Kontoüberziehungen und damit zu höheren Rückzahlungsverpflichtungen führen, fürchtet Maly. Eine geringfügige Verschlechterung des Einkommens durch Jobwechsel, Arbeitsplatzverlust, Krankheit oder Scheidung lässt dann in vielen Fällen die Schuldenfalle zuschnappen.

4.12.2002 13:35