Deutsche Arbeitsmarktlage im Dezember trübe
- Ifo erwartet für 2003 4,22 Mio. Arbeitslose im Durchschnitt
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresende weiter eingetrübt. Nach Berechnungen von Fachleuten waren im Dezember 2002 rund 4,22 Millionen Männer und Frauen arbeitslos. Dies wären rund 190.000 mehr als im November und rund 250.000 mehr als im Dezember 2001. Stärker ist die Dezember-Arbeitslosigkeit zuletzt 1997 gestiegen. Die offiziellen Zahlen will die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am kommenden Donnerstag (9. Jänner) bekannt geben.
"Ein Licht am Ende des Tunnels ist noch nicht zu sehen", kommentierte der Arbeitsmarktexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Rainer Schmidt, die aktuelle Lage. Für den Jänner erwartet er je nach Wetterverlauf "Minimum 4,5 Millionen Arbeitslose, eher ein bisschen darüber". Für den Anstieg im Dezember macht der Fachmann neben saisonalen auch konjunkturelle Gründe verantwortlich.
Auch im gesamten Jahr 2002 hat die Wirtschaftskrise tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Nach Experten-Berechnungen lag die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt bei 4,07 bis 4,08 Millionen. Das wären rund 220.000 mehr als im Durchschnitt des Jahres 2001 und der höchste Anstieg der durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit seit fünf Jahren.
Im Gegenzug sei 2002 die Zahl der Erwerbstätigen gesunken - und zwar um 0,6 Prozent auf 38,7 Millionen, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. Unter dem Rückgang der Erwerbstätigkeit litten vor allem die Arbeitnehmer. Ihre Zahl verringerte sich im Jahresvergleich um 0,8 Prozent auf 34,6 Millionen. Dagegen nahm die Zahl der Selbstständigen und ihrer mithelfenden Familienangehörigen noch um 0,4 Prozent auf fast 4,1 Millionen zu.
Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) strebt in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von unter vier Millionen an. Auch wenn die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig seien, könnten gewaltige Schritte zur Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt erreicht werden, sagte der Minister im Deutschlandfunk. Hingegen erwartet die Bundesanstalt für Arbeit für 2003 rund 4,1 Millionen, das Münchner Ifo-Institut sogar 4,2 Millionen Erwerbslose im Jahresdurchschnitt.
Strittig bleiben weiterhin betriebliche Bündnisse für Arbeit, wie sie CDU-Chefin Angela Merkel angekündigt hatte. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, lehnte sie nachdrücklich ab. "Wenn die Union von betrieblichen Bündnissen als Ersatz für Tarifverträge spricht, dann heißt das nichts anderes als das Fair Play, Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe, aufzukündigen", sagte Sommer der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Gegen betriebliche Bündnisse sprach sich auch die IG Metall aus.
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