Finanzmärkte rechnen mit EZB-Leitzinssenkung
- Duisenberg sieht schwächeren Inflationsdruck
Mit einem Hinweis auf einen Rückgang des Inflationsdrucks hat EZB-Präsident Wim Duisenberg (Bild) nach mehreren anderen EZB-Vertretern ebenfalls die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer Zinssenkung signalisiert.
"Seit der Ratsentscheidung im November haben sich die Anzeichen verstärkt, dass sich der Inflationsdruck abgeschwächt hat und die Abwärtsrisiken für die Konjunktur gleichzeitig nicht verschwunden sind", sagte Duisenberg bei einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments am Dienstag in Brüssel, nur zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten nächsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB).
Die Inflationsrate könne in den nächsten Monaten zwar noch einmal etwas ansteigen, im Lauf des kommenden Jahres werde aber Preisstabilität erreicht, sagte Duisenberg weiter. Mit Blick auf die Konjunktur bekräftigte der EZB-Chef, dass ein Aufschwung wegen der hohen Unsicherheit, die von einem möglichen Irak-Krieg und den Finanzmarktturbulenzen ausgehen, nach wie vor schwer vorherzusagen sei. Im vierten Quartal 2002 sei die Wirtschaft wohl weiter nur mäßig gewachsen. Gleichwohl hätten sich die Finanzmärkte zuletzt etwas stabilisiert. "Das Wachstum sollte im Lauf von 2003 zu Raten, die dem Potenzialwachstum (von 2,0 bis 2,5 Prozent) entsprechen, zurückkehren", sagte Duisenberg.
An den Finanzmärkten wird inzwischen überwiegend damit gerechnet, dass die EZB die Leitzinsen am Donnerstag mindestens um 25 Basispunkte senken wird. Die Mehrheit der Analysten geht sogar von einem kräftigen Zinsschritt nach unten um 50 Basispunkte aus. Die trüben Konjunkturaussichten und ein erwarteter Rückgang der Inflation unter zwei Prozent im kommenden Jahr verschafft der EZB nach Einschätzung von Analysten Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik.
Schon auf der EZB-Ratssitzung im November war ausführlich über eine Zinssenkung diskutiert worden. Doch wegen der großen Unsicherheit beim Ausblick für Konjunktur und Preise konnte sich der Rat noch nicht dazu entschließen. Seither haben mehrere Ratsmitglieder deutlich die Bereitschaft der EZB zu einer Zinssenkung zu erkennen gegeben. Der Schlüsselzins beträgt in der Euro-Zone seit November vergangenen Jahres 3,25 Prozent.
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