Dienstag, 3. Dezember 2002

Tabakwerbeverbot vorerst ohne weit reichende Folgen

  • Lauda: "Wenn Konjunktur nicht anspringt, wird es schwierig"
  • Hans Geist wartet weitere Entwicklung ab

Das von der Europäischen Union (EU) beschlossene Werbeverbot für Tabakwaren ab 2005 bleibt nach Ansicht von Experten für die Formel 1 vorerst ohne große Folgen. "Bei der derzeitigen schlechten Wirtschaftslage blüht das Sponsoring sicher nicht. Wenn aber bis 2005 die Konjunktur wieder laufen würde, sollte es möglich sein, die Tabakindustrie zu ersetzen. Wenn die Konjunktur nicht anspringt, wird es allerdings schwierig", sagte der ehemalige Jaguar-Teamchef Niki Lauda am Dienstag in Hamburg.

Das vom EU-Ministerrat am Montag beschlossene Verbot gilt von 2005 an europaweit für Zigarettenwerbung in Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Internet. Auch das Sponsoring von Großveranstaltungen durch Tabakwaren-Hersteller wie bei Formel-1-Rennen ist betroffen.

Verbot ab 31. Oktober 2005?
Das Tabakwerbeverbot ist schon lange Thema in der Formel 1. Neu ist nach dem EU-Beschluss lediglich, dass das Verbot spätestens am 31. Oktober 2005 in Kraft treten soll. Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte der Internationale Automobil-Verband (FIA) für 2006 ein weltweites Tabakwerbeverbot im Motorsport angekündigt und einen Monat später eine entsprechende Resolution mit der Weltgesundheitsorganisation WHO verfasst.

A1-Ring hat Vertrag bis 2006
Hans Geist, der Geschäftsführer des A1-Rings, wartet vorerst einmal ab. "Wir haben einen Vertrag bis 2006, laut dem Tabakwerbung erlaubt ist", stellte er gegenüber der APA fest. Aus seiner Sicht wäre durch den EU-Beschluss erst im Jahr 2006 der GP von Österreich wie auch alle anderen in diesem Jahr im EU-Raum geplanten GP-Rennen "fraglich", doch gibt es laut seinen Informationen Bestrebungen seitens der FIA, für den Motorsport einen Aufschub dieser Regelung bis Ende 2006 zu erreichen. "Wir in Österreich können derzeit nichts machen", sagt Geist, für den die Hauptleidtragenden in erster Linie die diversen Teams: "Denn der Großteil ihrer Sponsoren kommt auf dem tabakbwereich."

Europas Position geschwächt
Nach Auffassung des Geschäftsführers der Nürburgring GmbH, Walter Karfitz, schwächt das Verbot die weltweite Position der europäischen Formel-1-Rennstrecken. Für den Nürburgring, Schauplatz des GP von Europa, werde die EU-Entscheidung aber nicht entscheidend darüber sein, ob die Formel 1 dort gehalten werden könne. Das Rennen in Spa-Francorchamps wurde für 2003 gestrichen, da in Belgien ein Tabakwerbeverbot bereits ab dem kommenden Jahr gilt.

Formel 1 in Bahrain und Schanghai
Unabhängig vom Tabakwerbeverbot wird schon seit längerem über die WM-Strecken diskutiert. Nach dem Willen vieler Hersteller und von FIA-Präsident Max Mosley sollen weniger Rennen in Europa gestartet werden, um Sponsoren und Herstellern auf neuen Märkten eine Plattform zu bieten. Ab 2004 sollen WM-Läufe in Bahrain und Schanghai stattfinden.

3.12.2002 15:36
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts