Samstag, 7. Dezember 2002

Eberharter jagt Stenmarks uralten Saisonrekord

  • Chefcoach Giger zieht zufrieden Bilanz - Warnschuss verstanden
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Österreichs Herren-Skiteam ist Sonntag mit einer höchst erfreulichen Bilanz der Nordamerika-Rennen im Gepäck zurück nach Europa geflogen, hat aber im abschließenden Super G noch einen "Warnschuss" abbekommen. Trotzdem bilanzierte ÖSV-Herrenchef Toni Giger nach vier Siegen in sechs Rennen und drei Doppel-Erfolgen in vier Speed-Bewerben extrem positiv: "Es war sensationell. In jedem Rennen zudem auf dem Stockerl. Hätte man mir das vorher angeboten, hätte ich es gerne genommen. Wir müssen wirklich total zufrieden sein." Stephan Eberharter könnte bis Neujahr noch Stenmarks uralten Saisonrekord brechen!

Obwohl für Stephan Eberharter Anfang (Nach Halbzeit-Führung nur Achter im RTL von Park City) und Ende (15. im Super G von Beaver Creek) der Übersee-Tournee wenig befriedigend gewesen waren, war der Tiroler der überragende Läufer in Nordamerika. Mit drei Siegen trotz höchster Startnummern schraubte der Tiroler sein Total auf 20, führt im Weltcup klar vor Cuche. "Aber niemand ist perfekt", relativierte der 33-jährige Weltcup-Titelverteidiger, obwohl er in dieser Saison vier von sechs Rennen gewonnen hat. "Das überrascht mich selbst etwas. Wenn es so weiter geht und keine Verletzungen dazwischen kommen, kann es eine gute Saison werden", sagte Eberharter.

Rekord Gedankenverschwenderei?
Elf Erfolge hat Eberharter im Jahr 2002 damit schon, Stenmarks Top-Leistung im Kalenderjahr liegt bei 13. Aber die Statistik ("Reine Gedankenverschwenderei") interessiert den Zillertaler ebenso wenig wie Gedanken an das Rundherum. "Spekulieren verwirrt nur die Sinne. Natürlich schaue ich, was die Konkurrenz so treibt, aber sonst konzentriere ich mich auf mich, gehe meinen Weg. Sonst hätte ich weder mein langes Tief noch die Jahre mit Hermann überlebt."

Gigers Bilanz
Der einzige Wermutstropfen war der Super G in Beaver Creek. Mit Hannes Trinkl sprengte ausgerechnet einer aus der Gilde der "holzgeschnitzen Geradeausfahrer" (copyright Robert Trenkwalder) nicht zuletzt dank der günstigen Startnummer 15 die Phalanx der Eidgenossen. Vier "Schweizer" in den Top-Fünf bewiesen aber, dass die Truppe von Neo-Coach Karl Frehsner wieder voll da ist. Der zweitplatzierte Marco Büchel ist zwar Liechtensteiner, trainiert aber mit dem Swiss-Team und hat auch einen schweizerischen Pass. "Aber auch wir können nicht jedes Rennen gewinnen, unschlagbar ist eben niemand", konstatierte Giger und forderte: "Da müssen wir eben schauen, dass wir besser werden."

Auch wenn die neue Startregel in den Speed-Bewerben in Nordamerika dank großteils perfekter Pisten bestätigt worden ist, warnte auch Giger: "Im Super G haben wir gesehen, dass das Gewinnen mit hohen Nummern immer schwieriger wird, speziell wenn ein Super G so drehend gesetzt ist wie der in Beaver Creek." Man müsse sich jetzt genau ansehen, wie es zu Hause in Europa auf schlechteren Pisten weiter gehe. Giger: "Schließlich geht es ja auch um die Sicherheit der Läufer."

Lob für Mayer & Walchhofer
Auch die Einzelbetrachtung stimmte Giger positiv. "In praktisch jedem Rennen hat es eine erfreuliche Überraschung gegeben. Christian Mayer war so eine und Michael Walchhofer hat in der Abfahrt überzeugt. Dass wir den Slalom nicht nur gewonnen sondern auch mannschaftliche Stärke gezeigt haben, ist imposant. Und Lake Louise war sowieso unglaublich, das war einer der größten Mannschaftserfolge überhaupt."

Keine Abfahrts-Quali mehr?
Vorsichtig gab sich Giger aber zum Super G: "Da wird die Bandbreite immer größer, einmal sind sie abfahrtsähnlich, dann tendieren sie wie in Beaver Creek eher zum Riesentorlauf. Und wenn er so dreht, wird es schwierig, mit hohen Nummern zu gewinnen. Und wir haben eben überwiegend schlechte Nummern. Diese Massensiege wird es jedenfalls nicht mehr spielen", glaubt Giger. Dass sich einige ÖSV-Spitzenleute durch die interne Abfahrts-Qualifikation aufgerieben haben, ist ihm bewusst. Hans Knauß, Christoph Gruber und Andreas Schifferer wollen sich das in Val d'Isere jedenfalls nicht mehr antun.

7.12.2002 16:15