Auch in Beaver Creek interne ÖSV-Qualifikation
- Im stärksten Abfahrtsteam der Welt ist nur ein Platz frei
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Auch vor der zweiten Saisonabfahrt am Samstag in Beaver Creek wird es im ÖSV-Abfahrtsteam eine interne Qualifikation geben. Wie vor dem späteren Triumph in Lake Louise rittern dabei Hans Knauß, Andreas Schifferer und Christoph Gruber um einen offenen Platz. "Mir blutet das Herz, aber es ist die fairste Lösung", begründete ÖSV-Herrenchef Toni Giger die Entscheidung, warum diese drei Weltklasse-Fahrer am Donnerstag im zweiten Training auf der "Raubvogelpiste" erneut in die Ausscheidung müssen.
Die Situation ist einmalig im Weltcup. Während andere Länder Mühe haben, mehr als zwei podestfähige Abfahrer zu stellen, haben Österreichs Downhiller seit 1999 (inklusive Lake Louise am vergangenen Samstag) 26 von 31 Weltcup-Abfahrten gewonnen, dazu alle Weltmeister und den Olympiasieger gestellt. Derzeit sind gleich acht Österreicher für die erste Gruppe qualifiziert. Andreas Buder und Thomas Graggaber haben Fixplätze über den Europacup, womit für Weltcupsieger wie Schifferer und Gruber oder den einstigen Kitz-Triumphator Knauß gerade ein Platz frei ist. Und das, obwohl mit Hermann Maier und Christian Greber zwei ÖSV-Spitzenleute aus den Top-15 fehlen. "Die Entscheidung war wirklich schwierig, wenn man bedenkt, was diese drei für Granaten sind", so Giger.
Betroffene bleiben fair
Ein Ausweg zeichnet sich nicht ab, eher das Gegenteil, sollte sich noch ein neunter ÖSV-Abfahrer in der Weltrangliste unter die ersten 15 fahren, ist das Boot endgültig voll. "Damit will ich mich noch gar nicht auseinander setzen", winkte Giger in Beaver Creek ab, lobte aber dafür die Fairness der drei Betroffenen. "Das zeichnet ohnehin unsere ganze Mannschaft aus. Aber natürlich wär's uns lieber, diese drei würden sich auf das wirklich Wichtige fokussieren können."
Schifferer liebäugelt mit den Europacup
Schifferer hat in Kanada zwar die Qualifikation gewonnen, war als 15. dann aber "schlechtester" der elf Österreicher. "Schon ein Wahnsinn. Nur vier Ausländer vor mir, ich bin also fast ausschließlich nur von meiner eigenen Mannschaft geschlagen worden", sinnierte der Salzburger in Colorado vor dem ersten Training am Mittwoch und überlegt daher weiter, künftig im Europacup zu starten. "Sollte ich wirklich nicht bald einen Fixplatz haben, warum dann nicht über den Europacup einen Platz für nächstes Jahr heraus fahren?" Giger: "Seine Einstellung imponiert mir unheimlich. Ich denke aber, dass es nach einem Rennen noch zu früh ist, um eine Disziplin sausen zu lassen."
Echte Qualifikation im Training
Eher anfreunden kann sich Giger mit einer anderen Idee Schifferers. "Da stimme ich sofort dafür", so Giger zum Vorschlag, künftig im Training wieder eine echte Qualifikation zu fahren und nur die besten 30 oder 40 zum Rennen zuzulassen. Dass diese Idee außerhalb Österreichs aber kaum Befürworter hat, ist aber auch dem Herren-Chef klar. Zum einen gab es diesen Modus schon einmal, der tragische Tod von Gernot Reinstadler in Wengen ist aber in deutlicher Erinnerung. Zum anderen würde eine Qualifikation nur für die mannschaftlich starken Österreicher gut sein, also von der Konkurrenz wenig goutiert werden.
Andere Teams haben geholfen
Giger will sich aber ohnehin weniger mit Wenn und Aber auseinander setzen, "denn wenn der Roller meiner Großmutter vier Räder hätte und rot wäre, wäre er ein Ferrari", scherzte er und relativierte das Thema von sich aus: "Nur von Lake Louise aus darf man ohnehin nicht gleich auf die ganze Saison schließen. Dort haben uns die anderen Teams ja fast geholfen, weil sie offenbar zu wenig über die neue 30-er-Regel nachgedacht haben. Das wird es nicht immer geben."
