Samstag, 7. Dezember 2002

"Pastern" auch in Schweden - vier Klagen

  • Unter 15-Jährige bei Stockholmer Klub AIK gequält

Demütigende und mit Gewalt verbundene Initiations-Riten im Fußball - Stichwort "Pastern" - sind offenbar kein österreichisches Spezifikum. Wie die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" am Samstag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Vergewaltigung gegen vier 15-jährige Nachwuchs-Spieler des renommierten Fußballklubs AIK Stockholm erhoben.

Die vier hatten jüngeren Mannschaftskollegen unter Gewaltanwendung Kleiderbügel und Plastikflaschen anal eingeführt. In Österreich war im Sommer über ähnliche Vorfälle von "Pastern", wie der brutale Aufnahmeritus hier zu Lande heißt, bei heimischen Fußballvereinen in den Medien berichtet worden.

Die angeklagten Nachwuchsspieler gaben laut "Dagens Nyheter" an, bei der in Schweden "galgning" (etwa: "Kleiderbügeln", Anm.) genannten Vorgangsweise handle es sich um eine Tradition. Sie seien ihrerseits von älteren Spielern so behandelt worden. Die Staatsanwaltschaft sah die Vorwürfe so schwer, dass sie Anklage wegen Vergewaltigung und gefährlicher Drohung erhob. "Es gab eigentlich keinen Zweifel", sagte Staatsanwältin Erika Fjällhed, "der Begriff Vergewaltigung ist in den letzten Jahren zusehends weiter geworden und derartige Übergriffe bewegen sich innerhalb dieses Rahmens."

Den vier Jugendlichen droht nun im schlimmsten Fall nach schwedischer Rechtslage die Einweisung in eine Jugendanstalt. Mit dem Gerichtsverfahren wird noch knapp vor Weihnachten oder im Jänner gerechnet.

In Österreich war im vergangenen Sommer über ähnliche Übergriffe, darunter vor allem in der Akademie des GAK, berichtet worden. In dieser Causa ist laut GAK-Manager Günter Koschak inzwischen "alles bereinigt". Bei einer Sitzung mit den Eltern von Opfern und Tätern habe sich ergeben, "dass alles nicht so war wie in der Öffentlichkeit dargestellt". Auch wenn dabei "nichts Ärgeres" passiert sei, wurde den betroffenen Buben seitens des GAK bis Jahresende psychologische Betreuung angeboten. Unabhängig davon wurde vom Grazer Bundesligaklub ein striktes Verbot solcher Praktiken in die Statuten aufgenommen. Sollte jemand dagegen verstoßen, würde dies die sofortige Entlassung zur Folge haben.

7.12.2002 16:37