Donnerstag, 5. Dezember 2002

Selbstbewusster Champion: K.o. ein Muss für Klitschko

  • Auch Herausforderer McCline optimistisch

Es soll eine große Show werden mit einem unvergesslichen Finale. So wie es in der Welthauptstadt des Entertainments üblich ist. "Er wird chancenlos sein. Die Vorbereitung war super, meine Zeit ist gekommen, ich knocke ihn aus", versichert Wladimir Klitschko mit dem bewundernswertem Selbstbewusstsein eines Champions. Ein Knockout, und das möglichst schnell, ist ein Muss für den Schwergewichts-Weltmeister der World Boxing Organization (WBO), wenn er in der Nacht auf Sonntag (4.00 Uhr MEZ) im Mandalay Bay Casino von Las Vegas gegen den einstigen Straftäter Jameel "Big Time" McCline seinen Titel verteidigt.

"Nach einem K.o. gibt es keine Frage mehr", begründet der in Hamburg lebende Ukrainer sein konsequentes Ansinnen, mit dem er im Box-Mekka Amerika die letzten Skeptiker von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten überzeugen und die von ihm und seinem fünf Jahre älteren Bruder Witali angestrebte Novität, gleichzeitig Inhaber von Weltmeistertiteln zu sein, aufrecht erhalten möchte.

Bald die große Nummer?
Was "Dr. Steelhammer" Wladimir aber als Boxer wirklich wert ist, wird sich erst gegen McCline (28 Siege/2 Niederlagen/3 Unentschieden) zeigen. Triumphiert der jüngere der beiden Klitschko-Brüder so spektakulär, wie er es ankündigt, werden ihn die Amerikaner genauso in ihr Herz schließen wie die Deutschen es bereits tun. "Dann", so stimmen die US-Medien überein, "wäre Wladimir die ganz große Nummer, mit der sich langfristig mehr Millionen Dollar verdienen lassen, als mit jedem anderen Schwergewichtler zuvor".

Klitschko ist 5:1-Favorit
Witali Klitschko zweifelt keinen Augenblick, dass Wladimir (39/1), der als 5:1-Favorit in den Ring steigt, auch seinen vierten US-Auftritt als vorzeitiger Sieger beendet. Promoter Klaus-Peter Kohl warnt indes vor allzu kühnen Vorhersagen. "McCline ist ein anderes Kaliber als Ray Mercer, das wird verdammt schwer." Eine Niederlage wäre eine mittlere Katastrophe, räumt Kohl ein: "Sie würde Wladimir in der Entwicklung zwei Jahre zurückwerfen. Der Imageverlust wäre nur sehr, sehr schwer gutzumachen. Big Fights wären vorerst tabu".

Herausforderer ist 32
Kohl selbst würde bei einer Niederlage seines Schützlings eine "schmerzhafte Summe" verlieren, die er zuzahlen musste, damit McCline gegen den promovierten Sportwissenschafter antritt. Auf die Börse von 1,1 Millionen Dollar, die der übertragende Pay-TV-Sender HBO für die Verpflichtung des farbigen Amerikaners berappte, musste Kohl noch "reichlich drauflegen". Doch McCline sollte der Herausforderer sein, denn trotz seiner 32 Jahre gilt er als die große Hoffnung in Übersee, wo es mit den in die Jahre gekommenen Ex-Weltmeistern Mike Tyson und Evander Holyfield nur noch namhafte Auslaufmodelle gibt.

McCline sieht sich als Weltmeister
Der im US-Bundesstaat New Jersey lebende McCline misst nur zwei Zentimeter weniger, wiegt aber etwa acht Kilogramm mehr (1,98 m/118 kg) als Klitschko und sieht aus wie ein Bodybuilder. Als 18-Jähriger war er zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er mit gestohlenen Waffen handelte. In dieser "grausamen Zeit" beschloss er, mit dem Boxen zu beginnen. Er sparrte mit Lewis, Mercer, Larry Holmes und Zeljko Mavrovic. "Ich habe spät angefangen. Aber nicht zu spät. Mein Traum wird jetzt wahr. Ich werde am Sonntag aufwachen und den WM-Gürtel in den Händen halten", verkündete McCline, der seit sechs Jahren ungeschlagen ist.

5.12.2002 15:41