Montag, 2. Dezember 2002

Schranz hat doch noch seinen "Olympiasieg" errungen

  • Sapporo-Ausgestoßener erwartet Entschuldigung vom IOC
  • Treffen mit Rogge in St. Moritz

Karl Schranz hat fast alles gewonnen, was es in seiner Zeit im alpinen Skisport zu gewinnen gab. Nur das höchste Treppchen im Zeichen der Fünf Ringe blieb ihm während seiner 17-jährigen Karriere mit vier Olympia-Teilnahmen verwehrt. Und trotzdem trägt das dritte Buch über den Ausnahmesportler den Titel Mein "Olympiasieg". "Denn ich sehe mich als Helfer für die Abschaffung des Amateur-Paragrafen", sagte die 64-jährige Legende am Montag bei der Präsentation seiner Autobiografie in Wien.

In dem Buch, das der Sportjournalist Gerhard Zimmer und der Bayer Stefan König geschrieben haben und das im Münchner Verlag Herbig erschienen ist, schildet der "König vom Arlberg" seine einmalige Laufbahn vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung im Weißen Sport. Schranz war Wegbereiter der modernen Olympischen Spiele. Jene des Winters 1972 in Sapporo wurden mit dem Ausschluss zu einem Meilenstein der Schranz-Geschichte. "Das war eine Sauerei. Ich war kein schlechterer oder besserer Amateur als die anderen", ärgert sich der Tiroler noch heute über die schreiende Ungerechtigkeit.

Exempel wurde statuiert
Ein Spielchen des Hobbykickers, der damals einen Dress mit der Werbeaufschrift einer Kaffee-Marke (Aroma) getragen hatte, war ihm zum Verhängnis geworden. Avery Brundage, der damalige IOC-Präsident, begründete den Ausschluss so: "Alle alpinen Rennläufer hätten disqualifiziert werden müssen, doch damit hätten wir die Spiele zerstört. Daher statuierten wir ein Exempel." Damit brachte er ein ganzes Volk zur Weißglut, Hunderttausende hatten Schranz nach der Rückkehr in Wien empfangen.

Schranz wartet auf Entschuldigung
"Ich bin überzeugt, dass mein Ausschluss so viel Wirbel auslöst hat, um die Leute im IOC zum Nachdenken zu bringen", sagt der dreifache Weltmeister und zweifache Weltcup-Gesamtsieger. Obwohl Schranz inzwischen nachträglich schon die Teilnahme-Medaille für Sapporo erhielt, erwartet er sich noch mehr. Das IOC sei ihm noch irgendetwas schuldig. "Ich erwarte mir ein Zeichen, auf welche Art und Weise auch immer, dass ich 1972 ungerechtfertigt behandelt wurde und das IOC seinen Fehler eingesteht", so Schranz, der während der Ski-WM im Februar in St. Moritz ein Gespräch mit Jacques Rogge hatte. ÖOC-Chef Leo Wallner hat Schranz seine Unterstützung zugesagt.

Ausschluss war lächerlich
Gerade erst die jüngsten Spiele in Salt Lake City - 30 Jahre nach Sapporo - haben der Sportwelt wieder vor Augen geführt, wie lächerlich der Ausschluss des Arlbergers damals war, aber auch wie gefährlich der olympische Hochleistungssport geworden ist. Den bisher jüngsten Eckpfeiler in seinem Leben für den Sport schuf Schranz, dessen Name wie jener von Beckenbauer, Pele oder Lauda klingt, mit der WM 2001 in seinem Heimatort St. Anton. "Ich musste meine Idee erst gegen den Widerstand vieler Leute durchboxen. Letztlich war es aber ein Riesenerfolg", erinnert sich das Idol.

Putin Buch überreicht
Er habe im Sport mit seiner Starrsinnigkeit nichts ausgelassen, sagt Schranz, dessen spannende und informative Laufbahn nun schwarz auf weiß nachzulesen ist. Das erste Buch, dessen erste Auflage von 5.000 Stück bereits ausverkauft ist, überreichte Schranz übrigens kürzlich in Moskau dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, mit dem er zum WM-Abschluss in St. Anton Skifahren gewesen war und den er 2001 näher kennengelernt hat.

2.12.2002 15:47