Michail Juschni vom Ballbuben zum Daviscup-Helden
- "Geburt eines neuen Stars"; Kafelnikow denkt ans Aufhören
- PLUS: Der Daviscup-Sieg der Russen
Russland hat erstmals den Tennis-Daviscup erobert und Titelverteidiger Frankreich entthront. Beim 3:2-Finalerfolg in Paris punkteten Marat Safin (2/Bild) und Michail Juschnij für die Gäste, die damit ihrem Land erstmals die "hässlichste Salatschüssel der Welt" sicherten und den zehnten Erfolg der Tricolores verhinderten. 1994 und 1995 war das russische Team jeweils im Finale gescheitert.
Auf dem roten Sand floss der Wodka in Strömen. Russlands Daviscup-Helden feierten das 3:2 gegen Titelverteidiger Frankreich und damit den ersten Gewinn der silbernen "Salatschüssel" im Pariser Palais Omnisports mit Ex-Präsident Boris Jelzin, Luftballons, Konfetti und ausgelassenen Liedern. Im Mittelpunkt stand Jungstar Michail Juschni. Der 20-Jährige avancierte zum unerwarteten Matchwinner, als er bei 2:2 das entscheidende fünfte Match gegen Paul-Henri Mathieu nach fünf dramatischen Sätzen für sich entschied.
0:2 aufgeholt
Juschni schrieb Geschichte, weil noch nie ein Daviscup-Endspiel im letzten Einzel gewonnen wurde, wenn der Spieler in diesem Match mit 0:2-Sätzen gestartet war. Doch diese Statistik war den Protagonisten völlig egal. "Heute waren meine Spieler die Helden", sagte Kapitän Schamil Tarpischew und drückte den Youngster fest an seine Brust. Juschni war erst wenige Minuten vor dem entscheidenden Match gegen Paul-Henri Mathieu ins kalte Wasser geworfen worden, weil Jewgenij Kafelnikow die Kräfte verlassen hatten.
Ein neuer Star
"Man kann nicht ermessen, was für einen Druck Michail aushalten musste", sagte Kafelnikow, der am Montag in der Schweiz wegen eines Venenleidens operiert wurde. "Wir haben die Geburt eines neuen Stars erlebt", ergänzte Marat Safin über den "guten Jungen", der erst vor zwei Monaten einen bitteren Schicksalsschlag (Tod seines Vaters) verdauen musste. Der Weltranglisten-Dritte Safin hatte mit einem Dreisatzsieg gegen Sebastien Grosjean den Grundstein zum Erfolg gelegt und den 1:2-Zwischenstand nach dem Doppel ausgeglichen.
Triumph im ersten Finale
Gleich in seinem ersten Daviscup-Finale konnte Juschni triumphieren. Das letzte der 1994 gegen Schweden und 1995 gegen die USA verlorenen Endspiele hatte er in Moskau noch als Ballbub miterlebt. Er besitzt ein Foto, das ihn mit den siegreichen US-Stars Pete Sampras, Todd Martin und Jim Courier zeigt.
Kafelnikow denkt ans Aufhören
Kafelnikow war damals schon als Spieler dabei. Seit elf Jahren tourt er mit dem Tennis-Zirkus durch die Welt und hat in dieser Zeit mehr Matches absolviert als jeder andere auf der ATP-Tour. Nach 861 Partien, von denen er 580 gewann, will der Multimillionär nun aufhören. "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe", meinte Kafelnikow, nach dem Finale, fügte aber hinzu: "Die endgültige Entscheidung fällt in der kommenden Woche."
Allein erziehenden Vater
Er will sich nun ganz meiner Tochter widmen. Nach der Trennung von seiner Frau, die in die Fänge einer Sekte geraten sein soll, ist er zum allein erziehenden Vater geworden. Momentan lebt die vierjährige Aleysa in Sotschi bei den Großeltern und Jewgenis Schwester.
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