Sonntag, 8. Dezember 2002

Slowaken zeigen wenig Interesse an Kommunalwahlen

  • Kompliziertes System von Bündnissen und Koalitionen
  • Parlaments- und Kommunalwahlen kaum vergleichbar

Die am Samstag beendeten zweitägigen Kommunalwahlen in der Slowakei sind bei den Wahlberechtigten auf sehr geringes Interesse gestoßen. Mit 30 Prozent der Stimm- berechtigten wurde ein negativer Rekord erreicht, teilten die Wahl-Kommissionen am Sonntag in der Hauptstadt Preßburg mit.

Die Bürger sollten in Direktwahlen die Bürgermeister sowie die Gemeinderäte in 2900 Gemeinden bestimmen.

Die Wahlen waren der erste Urnengang seit den Parlamentswahlen im September, an denen 70 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen hatten. Daraus waren vier Mitte-Rechts-Parteien als Sieger hervorgegangen, die unter dem Christdemokraten Mikulas Dzurinda eine Koalitionsregierung bilden. Auf Grund der je nach Gemeinde sehr unterschiedlichen Wahlbündnisse und wegen zahlreicher parteiunabhängiger Kandidaten sind Vergleiche zwischen Parlaments- und Kommunalwahlen jedoch kaum möglich.

Eine Besonderheit stellt die Hauptstadt Preßburg dar, wo sich zwei christdemokratische Parteien, die beide der Regierung Dzurinda angehören, einen harten Kampf um die Funktion des Oberbürgermeisters und um die Mehrheit im Stadtparlament lieferten. Der von der christlich-konservativen KDH nominierte Kandidat Andrej Durkovsky setzte sich dabei klar gegen den von Dzurindas christlich-liberaler SDKU nominierten Kandidaten durch, obwohl sich Dzurinda persönlich im Kommunalwahlkampf engagiert hatte.

In Presov, der drittgrößten Stadt des Landes, nahmen sich die beiden favorisierten regierungsnahen Kandidaten gegenseitig so viele Stimmen weg, dass ein Oppositionskandidat gewann, obwohl die Stadt traditionell als Regierungshochburg gilt.

8.12.2002 17:01