Samstag, 7. Dezember 2002

Anschlagsserie in Bangladesch: Mindestens 20 Tote

  • Bombenserie in Kinos - über 200 Verletzte
  • Zu Ramadan-Ende Filmvorführungen immer gut besucht

Bei einer Serie von Bombenanschlägen auf vier Kinos in Bangladesch sind am Samstag mindestens 20 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die vier Kinos in Mymensingh im Norden des Landes waren zum muslimischen Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan voll besetzt.

Nach Angaben von Augenzeugen erfolgten die Explosionen in den gut besuchten Kinos in der Bezirkshauptstadt Mymenshingh (rund 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka) in kurzen Abständen von fünf bis zehn Minuten.

Armee in der Stadt
Die Armee bezog in der Stadt Stellung, während die Polizei auf der Suche nach den Verantwortlichen die Zufahrtsstraßen abriegelte. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Ob es sich um die Tat extremistischer Moslems handeln könnte, die Filme und andere weltliche Vergnügen ablehnen, war daher unklar. Ministerpräsidentin Khaleda Zia traf sich mit ihren Sicherheitsberatern zu einer Krisensitzung, wie ihr Sprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte.

15 Verletzte in Lebensgefahr
Die Opferzahlen könnten weiter ansteigen, betonte ein Vertreter der Polizei. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, mindestens 15 Verletzte schwebten in Lebensgefahr. Sicherheitskräfte riegelten das Krankenhaus ab, in das die meisten Opfer eingeliefert worden sind und hinderten auch Angehörige der Opfer daran, ins Innere des Gebäudes zu gelangen.

Die Kinos waren wegen der Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan sehr gut besucht. Nach Augenzeugenberichten kam es in Vororten von Mymenshing zu zwei weiteren Explosionen. Die Behörden bestätigten diese Angaben zunächst nicht.

Inder sehen Bin-Laden-Connection
Eine indische Zeitung hatte im Vormonat berichtet, Geheimdienstkreise gingen davon aus, dass Ayman al Zawahiri, der Stellvertreter von Terror-Chef Osama bin Laden, in Bangladesch versteckt lebe. Bangladesch wies dies zurück. Nach Angaben der "Hindustan Times" ist Bangladesch ein Zufluchtsort für die Terror-Organisation El Kaida geworden, Zawahiri befinde sich bereits seit September in dem Land.

Ende September waren bei zwei Explosionen in der Stadt Satkhira drei Menschen getötet worden. Premierministerin Zia und Oppositionsführerin Sheikh Hasina Wajed hatten sich gegenseitig beschuldigt, hinter den Anschlägen zu stecken. Ihre Parteien führen seit Jahren eine erbitterte innenpolitische Auseinandersetzung.

Im April vergangenen Jahres hatten Terroristen bei einer Feier zum bengalischen Neujahrsfest in einem Park in der Haupstadt Dhaka eine Bombe gezündet. Mehrere zehntausend Menschen hatten die traditionelle Feier besucht. 11 Menschen waren bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Die Polizei hatte damals angenommen, dass die Täter zu einer extremistischen Moslemgruppe gehörten, die das Neujahrsfest als "unislamisch" ablehnten. Der Terroranschlag wurde aber nicht aufgeklärt. Bangladesch hat die weltweit drittgrößte moslemische Bevölkerung.

7.12.2002 17:35