Mittwoch, 4. Dezember 2002

Aus für New Yorks letzte Raucherinseln

  • Befürworter jubeln: "Ein Signal für ganz Amerika"
  • Widerstand: "Bloomberg bis zur Staatsgrenze jagen"

Für die Raucher in New York hat das große Frieren begonnen. Ob vor der Börse an der Wall Street oder dem Empire State Building, vor dem Bahnhof Grand Central oder vor den Hunderten von Bürohochhäusern - trotz spätherbstlicher Kälte stehen sie vor den Eingängen auf der Straße, um eine zu paffen. Seit Jahren schon ist das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden sowie in den größeren Restaurants der Acht-Millionen-Stadt verboten. Nun kommt es für New Yorks Raucher noch schlimmer.

Bürgermeister Michael Bloomberg, der sich vor 20 Jahren seine letzte Zigarette ansteckte, will das Rauchen auch in den 13.000 Bars, Spielhallen, Cafes und privaten Clubs der größten Stadt Nordamerikas unter Strafe stellen. Smoke-Free-Aktivisten feiern den Schritt, für den sich in der Stadtverwaltung eine klare Mehrheit abzeichnet, bereits als "Signal für ganz Amerika".

"Die New Yorker Bar ist eine der letzten großen Raucher-Bastionen" sagt Diane Maple, Sprecherin des Amerikanischen Verbandes für den Kampf gegen Lungenkrankheiten. "Wenn die fällt, werden Chicago, Boston und andere große Städte folgen." Das große Ziel von Gesundheitsverbänden ist ein rauchfreies Amerika. In den USA und auch im nördlichen Nachbarland Kanada findet dies eine immer breiter werdende Unterstützung, wie Umfragen zeigen. Millionenschwere Klagen Krebskranker gegen die Zigarettenindustrie fördern den Trend.

Auch in Florida sind die Nikotin-Gegner ihrem Traum ein gutes Stück näher gekommen. Die Wähler des sonnigen Bundesstaates stimmten kürzlich bei einem Volksentscheid für ein totales Rauchverbot an allen Arbeitsplätzen und in allen Restaurants. Florida folgt damit dem Beispiel von Kalifornien und Delaware. In zahlreichen anderen US-Bundesstaaten gibt es ähnliche Initiativen.

Es regt sich auch Widerstand ...
Doch es gibt auch große Widerstandsnester. "Den Bloomberg würden wir bis zur Staatsgrenze jagen", sagt Jim Coster, Kellner im Pub "Bouy Nr. 9" im Atlantik-Ferienort Nags Head in North Carolina. Der Staat gehört ebenso wie das benachbarte Virginia, nach dessen Orten Winston und Salem internationale Zigarettenmarken benannt wurden, zu den "Tabakländern" der USA. Dort sorgt eine mächtige Lobby von Tabakfarmern, Zigarettenherstellern und Politikern noch dafür, dass allzu forsche Nikotingegner ausgebremst werden.

Während Zigaretten in New York mittlerweile wegen der hohen städtischen Tabaksteuer den US-Rekordpreis von 8,50 Dollar (8,53 Euro) pro Schachtel erreicht haben, kosten sie in Virginia oder North Carolina nicht einmal ein Drittel davon. Entsprechend blüht der Schmuggel über die bundesstaatlichen Grenzen hinweg. Auch der Online-Einkauf in den Tabakstaaten sowie in Indianer-Reservaten, die traditionell Steuerfreiheit genießen, boomt gewaltig, seit vielerorts die Tabaksteuer als Verkaufsbremse eingesetzt wird.

In Kanada setzt man auf Abschreckung
Auf Abschreckung statt Verbote setzt man in Kanada, allerdings ohne so stark an der Steuerschraube zu drehen. In mehreren kanadischen Provinzen müssen Zigarettenschachteln nicht einfach nur schriftliche Warnungen vor gesundheitlichen Risiken enthalten. Vorgeschrieben sind farbige Bilder von krebsbefallenen Lungen, Bronchien oder anderen Organen. Die Fotos und die Warnaufschriften müssen mindestens die Hälfte der Verpackungen einnehmen. Dennoch ist der Zigarettenkonsum unter jungen Kanadiern in letzter Zeit wieder leicht gestiegen.

4.12.2002 10:26